Juli 2026

Juli – ruhig war offenbar nur die Tarnung

Der Juli biegt langsam auf die Zielgerade ein und beim ersten Nachdenken war meine Bilanz ungefähr: Was habe ich diesen Monat eigentlich gemacht? Die Tage sind wieder so schnell vergangen, dass vermutlich irgendwo jemand heimlich an der Geschwindigkeit gedreht hat. Kaum hatte der Juli begonnen, stand er schon wieder mit gepackten Koffern vor der Tür. Dabei war er rückblickend gar nicht leer. Er war nur angenehm unaufgeregt. Es gab Kultur, einen Ausflug nach Salzburg, einen erheblichen Verlust an Haarlänge, fünf abgegebene Wahlpflichtmodule, eine Grillerei und ein Buch, das von einer App behandelt wurde, als wäre unkontrolliertes Weiterlesen eine ernsthafte Gefahr für die öffentliche Ordnung. Ruhig war also hauptsächlich die Verpackung.

Pretty Woman, starke Stimmen und ein gelungenes Date

Am 24. Juli war ich mit meinem Mann im Musiktheater Linz. Wir haben uns „Pretty Woman – Das Musical“ angesehen, und es war tatsächlich ein richtig schönes Date. Auch verheiratete Menschen dürfen sich noch verabreden. Man muss nicht jeden gemeinsamen Abend zwischen Alltagsorganisation, Einkaufslisten und der Frage verbringen, wer schon wieder irgendwo das Licht brennen gelassen hat. Die Geschichte von „Pretty Woman“ dürfte hinreichend bekannt sein: Eine junge Frau trifft einen sehr reichen Mann, beide entdecken hinter den sorgfältig gepflegten Fassaden jeweils einen Menschen, und am Ende gewinnt die Liebe. Geld spielt selbstverständlich überhaupt keine Rolle. Es bezahlt lediglich das Hotel, die Kleidung, das Auto und einen erheblichen Teil der Handlung.

Auf der Bühne hatte das Ganze richtig Energie. Die Stimmen waren kräftig, die Inszenierung war lebendig und auch das Publikum wusste, wann es lachen sollte. Es waren einige komödiantische Szenen eingebaut, die offensichtlich gut funktioniert haben. Mich zum Lachen zu bringen, ist allerdings kein besonders dankbares Unterfangen. Ich habe die Pointen erkannt und wohlwollend zur Kenntnis genommen. Mehr kann man von meiner Gesichtsmuskulatur nicht an jedem Abend verlangen.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir Kit De Luca, Vivians beste Freundin. Die Darstellerin hatte eine Stimme, die nicht höflich um Aufmerksamkeit bat, sondern sie sich einfach nahm. Kraftvoll, präsent und beinahe gewaltig. Obwohl Kit keine Hauptfigur ist, gehörte sie für mich eindeutig zu den stärksten Figuren des Abends. Manche Menschen stehen auf einer Bühne. Andere betreten sie und lassen die Bühne kurz überlegen, ob sie überhaupt noch gebraucht wird.

Dann gab es noch den Pagen. Quirlig, lebhaft und gefühlt ständig in Bewegung. Also eine Figur, bei der ich verdächtig oft an meinen Mann denken musste. Offenbar habe ich eine gewisse Form temperamentvoller Unruhe nicht nur geheiratet, sondern erkenne sie auch unter Scheinwerferlicht sofort wieder. Der Page brachte jedenfalls zusätzlichen Schwung in die Handlung und gehörte für mich ebenfalls zu den heimlichen Höhepunkten. Insgesamt war das Musical laut, lebendig und stimmungsvoll. Also genau das Gegenteil von einem Theaterabend, bei dem man in der Pause bereits prüft, ob sich ein unauffälliger Fluchtweg finden lässt.

25 Zentimeter weniger Wuschelkopf

Ein Friseurtermin führte meinen Mann und mich im Juli außerdem nach Salzburg. Bei mir kamen ungefähr 25 Zentimeter Haare ab. Das klingt zunächst nach einer überschaubaren kosmetischen Entscheidung, bis man bedenkt, dass ich meine Haare seit Mai 2012 wachsen ließ. Andere Menschen wechseln in dieser Zeit mehrfach den Beruf, gründen eine Familie oder entwickeln eine gesunde Abneigung gegen Sprachnachrichten, die mit „Ich halte mich ganz kurz“ beginnen. Ich ließ meine Haare wachsen.

Nur bei Umzügen mussten zwischendurch jeweils ungefähr 20 Zentimeter daran glauben. Andere Menschen sortieren bei einem Umzug alte Unterlagen aus, verkaufen Möbel oder trennen sich von Gegenständen, die seit zehn Jahren unberührt in einem Schrank liegen. Ich kürze offenbar meine Haare. Jeder braucht ein eigenes Ritual, um den Beginn eines neuen Lebensabschnitts unnötig dramatisch zu markieren.

Der erste Blick in den Spiegel war entsprechend ungewohnt. Nach so vielen Jahren mit langen Haaren sieht man sich plötzlich deutlich kürzer und fragt sich für einen Moment, ob man selbst noch vollständig im Bild ist. Das Ergebnis gefällt mir aber sehr gut. Meine Naturlocken fallen weiterhin schön, und ich war wirklich beeindruckt davon, was die Friseurin aus ihnen herausgeholt hat. Sie ist auf Locken spezialisiert, und das merkt man. Ein Wuschelkopf wird dort nicht einfach nass gemacht, gerade gezogen und anschließend so behandelt, als wäre jede Haarstruktur im Grunde dasselbe Problem mit unterschiedlichem Eskalationsgrad. Für alle Wuschelköpfe daher definitiv eine Empfehlung.

Kleine Portionen und eine große Sushi-Fehleinschätzung

Nach dem Friseurtermin hatten wir Hunger und landeten im SHAN China Restaurant. Bestellt wurde über ein Tablet, serviert wurden viele kleine Portionen. Das ist einerseits praktisch, weil man sich durch verschiedene Gerichte probieren kann. Andererseits ist es ein hinterhältiges Konzept. Kleine Portionen vermitteln dem Gehirn nämlich erstaunlich überzeugend, dass man eigentlich noch gar nichts gegessen hat. Selbst dann, wenn sich auf dem Tisch bereits genug leere Teller stapeln, um daraus ein architektonisch fragwürdiges Nebengebäude zu errichten.

Mein Mann nahm dieses Konzept besonders ernst. Vor allem beim Sushi. Er rollte danach gleich auf zwei Arten nach Hause: einmal mit seinem Körper und einmal mit dem Auto. Manche Menschen hören auf zu essen, wenn sie satt sind. Andere betrachten Sättigung offenbar als unverbindlichen Hinweis, den man zur Kenntnis nehmen, aber keinesfalls befolgen muss.

Fünf Abgaben und ein Excel-Beweisstück

Obwohl sich der Juli ruhig angefühlt hat, war ich im Studium keineswegs untätig. Ich habe fünf Wahlpflichtmodule abgegeben. Dass es tatsächlich fünf waren, musste ich zuerst in meiner Excel-Liste nachzählen. Mein Gedächtnis hatte diese Information offenbar bereits in irgendeinen schlecht beschrifteten mentalen Archivordner verschoben. Die Tabelle wusste natürlich Bescheid. Tabellen sind verlässlich. Sie werden nicht müde, vergessen nichts und beginnen auch keine Diskussion darüber, ob etwas wirklich so vereinbart war.

Abgeschlossen sind die Module noch nicht. Die Ergebnisse kommen erst im September. Bis dahin befinden sie sich in einem pädagogisch besonders wertvollen Schwebezustand zwischen „erledigt“ und „hoffentlich war das alles nicht völliger Unsinn“. Ich habe zwar bereits gute Noten gesammelt, aber daraus möchte ich keine öffentliche Leistungsschau machen. Es reicht, dass ich meinen Fortschritt in Excel überwache. Man muss nicht zusätzlich mit einem Notenschild durch das Internet marschieren und dabei so tun, als wäre Bescheidenheit ein technischer Defekt.

Eine der Abgaben war trotzdem etwas Besonderes. Zum ersten Mal habe ich bei einem Studienprojekt mit einem Studienkollegen zusammengearbeitet. Gemeinsam entwickelten wir eine Hörerfeedback-App mit einem zusätzlichen Dashboard für die Moderation. Normalerweise arbeite ich lieber allein. Nicht, weil ich grundsätzlich nicht teamfähig wäre. Ich weiß nur gerne jederzeit ganz genau, wer verantwortlich ist, wenn etwas schiefläuft. Meistens bin ich es dann selbst, und damit kann ich arbeiten.

Mit Susel war die Zusammenarbeit allerdings erstaunlich entspannt. Es war ungewohnt, aber nicht anstrengend. Die Aufgaben ließen sich vernünftig aufteilen, die Abstimmungen waren unkompliziert und ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Bedürfnis, das gesamte Projekt heimlich an mich zu reißen. Das ist bereits ein beachtlicher Erfolg. Sollte noch einmal eine Gruppenarbeit anstehen, wäre er eindeutig meine bevorzugte Wahl. Ein größeres Lob kann eine überzeugte Alleinarbeiterin kaum aussprechen, ohne ihren Ruf ernsthaft zu beschädigen.

Lesen im streng überwachten Kapitelvollzug

Natürlich wurde im Juli auch gelesen. Zumindest in den Mengen, die mir die Galatea-App gnädigerweise zugestand. Bei „Owned by the Alphas“ war nach drei Kapiteln pro Tag Schluss. Völlig unabhängig davon, ob man gerade mitten in der Handlung steckte oder endlich wissen wollte, warum sich eine Figur schon wieder so verhielt, als hätte sie grundlegende Kommunikation nur aus alten Legenden kennengelernt.

Für Menschen, die gemütlich ein Kapitel lesen und das Buch anschließend freiwillig zwei Tage weglegen, mag dieses System funktionieren. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Wenn ich lese, möchte ich weiterlesen. Ich möchte nicht von einer App behandelt werden, als müsse mein Literaturkonsum wegen akuter Selbstgefährdung rationiert werden. Trotzdem bin ich drangeblieben und lese inzwischen sogar den zweiten Band. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich plötzlich eine große Begeisterung für endlose, detailliert beschriebene Sexszenen entwickelt hätte. Wenn innerhalb eines Kapitels gefühlt dreimal dasselbe passiert, wird es durch zusätzliche Adjektive und leicht veränderte Körperstellungen nicht automatisch abwechslungsreicher. Irgendwann möchte man den Beteiligten zurufen, sie mögen sich bitte kurz anziehen und die eigentliche Handlung fortsetzen.

Auch die Figuren wirken manchmal etwas künstlich. Wobei das vermutlich weniger ein Unfall als Teil des gebuchten Gesamtpakets ist. Bei dieser Art von Geschichte weiß man ungefähr, worauf man sich einlässt. Man bestellt keinen literarischen Kamillentee und beschwert sich anschließend, dass jemand Glitzer, Werwölfe und drei Alphas hineingeworfen hat. Der Kern der Geschichte ist aber interessant genug, dass ich weiterlesen möchte. Die Welt, die Konflikte und der Cliffhanger haben mich offensichtlich stärker eingefangen, als meine Beschwerden vermuten lassen. Ich kritisiere also die App, die Wiederholungen und den rationierten Lesefluss – und öffne trotzdem jeden Tag den nächsten Teil. Konsequenz ist schließlich auch nur eine überbewertete Form persönlicher Einschränkung.

Der Juli war gut. Der August wird laut.

Insgesamt war der Juli ein guter Monat. Nicht spektakulär. Nicht chaotisch. Aber gut gefüllt. Es gab ein schönes Date mit meinem Mann, ein gelungenes Musical, einen Ausflug nach Salzburg, eine neue Frisur, viel Studium, ein Buch mit eingebauter Geduldsprüfung und genug kleine Erlebnisse, um am Ende doch einen ganzen Monatsrückblick daraus zu bauen. Vielleicht war diese Ruhe auch genau richtig, denn der August wirkt nicht so, als hätte er auch nur das geringste Interesse an Zurückhaltung.

Zuerst geht es für einige Tage in die Türkei und damit endlich wieder ans Meer, das ich leider viel zu selten sehe. Kurz nach unserer Rückkehr fahren mein Mann und ich weiter nach Deutschland. Dort wartet eine Premiere auf mich: Ich werde zum ersten Mal richtig zelten. Die Ausrüstung steht bereit, eine praktikable Schlaflösung wurde vorbereitet und ein mittelalterliches Outfit wurde selbstverständlich ebenfalls gekauft. Wer zum ersten Mal zeltet, sollte schließlich nicht nur organisatorisch, sondern auch modisch angemessen eskalieren.

Ob ich darin aussehe, als würde ich glaubwürdig in eine andere Epoche gehören, oder wie jemand, der auf dem Weg zu einer sehr speziellen Faschingsveranstaltung falsch abgebogen ist, wird sich zeigen. Der Juli war damit vermutlich tatsächlich die Ruhe vor dem Urlaubssturm. Nur ganz so ruhig, wie er sich anfangs ausgegeben hat, war er offenbar nicht. Der Monat war einfach schlau genug, seine Arbeit im Hintergrund zu erledigen. Ähnlich wie ich. Nur ohne Excel-Liste.


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Juni 2026

0 gelesene Bücher und diese lästige innere Buchhaltung

Ich habe im Juni kein einziges Buch gelesen.

Und nein, ich schreibe das nicht, weil ich dafür Applaus für schonungslose Ehrlichkeit erwarte. Es ist einfach die nüchterne Bestandsaufnahme eines Monats, der lesetechnisch offenbar beschlossen hat, sich komplett aus meiner Statistik zu entfernen.

0 gelesene Bücher.

Sehr klar. Sehr ordentlich. Sehr unbefriedigend.

Für einen Bücherblog ist das natürlich eine eher ungünstige Ausgangslage. Ein bisschen so, als würde ein Kochblog mitteilen, dass im Juni hauptsächlich Toastbrot, Lieferdienst und moralische Verdrängung auf dem Speiseplan standen. Kann man machen. Wirkt nur thematisch leicht beschädigt.

Aber gut. Genau dort stehen wir jetzt.

Der Juni war warm. Mein Kopf war voll. Und mein Kopf hatte abends offenbar keinen Bedarf an anspruchsvoller innerer Mitarbeit. Lesen verlangt ja doch eine gewisse Bereitschaft, sich einzulassen. Man muss mitdenken, mitfühlen, sich eine Welt aufbauen, Stimmen im Kopf entstehen lassen, Figuren aushalten, Entscheidungen bewerten und im besten Fall am Ende auch noch eine Meinung dazu haben.

Mein Kopf wollte im Juni keine Meinung haben.

Mein Kopf wollte Play drücken und danach möglichst in Ruhe gelassen werden.

Berieselung also. Dieses herrlich anspruchslose Dahingleitenlassen, bei dem man nicht einmal so tun muss, als würde man gerade an seiner Persönlichkeit arbeiten. Streaming ist in solchen Phasen nicht unbedingt die bessere Wahl. Aber es ist die leichtere. Und manchmal gewinnt nicht das, was schöner, klüger oder wertvoller wäre, sondern schlicht das, was weniger Kraft kostet.

Das ist kein besonders poetischer Satz.

Aber ziemlich wahrscheinlich ein wahrer.

Natürlich könnte ich jetzt behaupten, ich hätte einfach keine Zeit gehabt. Das klingt immer ein bisschen respektabler. Zeitmangel ist gesellschaftlich anerkannt. „Kopf voll“ klingt dagegen schnell nach Ausrede, nach Schwäche, nach „reiß dich halt zusammen“. Dabei ist genau das oft der ehrlichere Grund. Es war nicht so, dass kein Buch in Reichweite gewesen wäre. Es war eher so, dass zwischen mir und dem Buch eine unsichtbare Wand aus Müdigkeit, Reizüberflutung und innerem Grundrauschen stand.

Und ja, das nervt mich.

Geschichten haben mir gefehlt. Ich liebe Bücher. Lesen ist für mich normalerweise Rückzug, Denkraum und kleine Flucht zugleich.

Es nervt mich vor allem, weil ich am Ende nichts vorzuweisen habe.

Da ist er, der unsympathische Satz.

Nicht schön. Nicht romantisch. Aber ehrlich.

Denn offenbar reicht es nicht immer, dass ein Monat gelebt wurde. Er soll bitte auch verwertbar sein. Zählbar. Sichtbar. Abhakbar. Ein Monat soll sich am Ende ordentlich hinlegen lassen wie ein ausgefülltes Formular: gelesen, geschrieben, erledigt, abgegeben, dokumentiert. Vielen Dank, nächster Vorgang.

Und genau da meldet sich dann diese innere Buchhaltung.

Sie kommt nicht dramatisch. Sie tritt nicht die Tür ein. Sie räuspert sich nur sehr trocken irgendwo im Hinterkopf, klappt ihren Ordner auf und fragt: „Was haben wir denn diesmal?“

Gelesene Bücher: 0.
Rezensionen: 0.
Literarischer Glanz: überschaubar.
Gefühlte Rechtfertigungslast: unnötig hoch.

Diese innere Buchhaltung ist leider ziemlich zuverlässig. Man kann sich auf sie verlassen, was schon deshalb ärgerlich ist, weil sie selten etwas Nettes sagt. Sie interessiert sich nicht besonders dafür, ob ein Monat anstrengend war. Ob der Kopf voll war. Ob man gearbeitet, funktioniert, gedacht, geplant, abgegeben, organisiert oder einfach durchgehalten hat. Sie fragt nicht: „Warst du präsent?“ Sie fragt: „Was ist herausgekommen?“

Und das ist der Punkt, an dem es unangenehm wird.

Weil ich dieses Muster kenne.

Nicht nur vom Lesen. Nicht nur vom Blog. Eigentlich von allem.

Wenn ich male, soll am Ende ein Bild entstehen. Wenn ich schreibe, soll am Ende ein Text entstehen. Wenn ich studiere, soll am Ende etwas Abgegebenes, Bewertbares, möglichst Solides herauskommen. Wenn ich lese, soll daraus idealerweise eine Rezension werden. Eine Meinung. Ein Beitrag. Ein kleiner Beweis dafür, dass die Zeit nicht einfach nur verschwunden ist.

Als müsste Zeit sich rechtfertigen.

Als wäre ein Monat erst dann gültig, wenn er irgendwo Spuren hinterlässt, die man herzeigen kann.

Das ist ziemlich absurd, wenn man es nüchtern betrachtet. Leider hilft nüchternes Betrachten nur bedingt gegen alte Muster. Die sind nicht beeindruckt davon, dass man sie durchschaut. Sie stehen trotzdem da, mit verschränkten Armen, und warten auf Ergebnisse.

Der Juni hatte Ergebnisse. Nur eben keine buchigen.

Ich habe zwei Projektpräsentationen abgegeben. Das ist nicht nichts. Es ist sogar ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass solche Dinge nicht einfach aus dem Boden wachsen, sondern Zeit, Konzentration und geistige Kapazität fressen. Also genau die Ressourcen, die abends dann nicht mehr in Hülle und Fülle für ein Buchspaziergängchen durch fremde Welten bereitstehen.

Ich war außerdem beim Unheilig-Konzert auf der Clam.

Und das war mein Highlight.

Die bassige Stimme des Grafen, diese Energie, dieser Ort. Es hat mich aufgeladen. Nicht auf diese brave „Ich habe jetzt wieder Kraft für alle meine Aufgaben“-Art, die man in Motivationskalendern verkaufen könnte. Sondern echter. Direkter. Für ein paar Stunden war ich nicht im Abarbeitungsmodus. Kein inneres Controlling, keine Listen, kein „du solltest noch“. Nur Musik, Stimmung, Burgkulisse und dieses seltene Gefühl, aus dem Alltag herausgerissen zu werden, ohne sofort wieder irgendwo hineinsortiert zu werden.

Vielleicht ist genau das der Punkt, der meiner inneren Buchhaltung so schwerfällt.

Solche Momente lassen sich schlecht verbuchen.

Man kann sie nicht sauber in eine Rezension verwandeln. Nicht in eine Leseliste. Nicht in eine Zahl, die am Monatsende gut aussieht. Sie sind einfach da. Sie wirken nach. Sie machen etwas mit einem, ohne sich direkt als Output anzubieten.

Unverschämtheit eigentlich.

Und dann ist da noch die Vorfreude auf den Sommerurlaub. Auf Schwimmen. Auf Wasser. Auf Wärme, die nicht nur anstrengend ist, sondern vielleicht auch nach Pause schmeckt. Auf Juli, Musical, Salzburg, kleine Auszeiten und hoffentlich etwas weniger Kopfkirmes.

Auch das ist nichts, was sich in einer Bücherstatistik abbilden lässt.

Aber es zählt trotzdem.

Das ist so ein Satz, den ich theoretisch sofort unterschreiben würde. Praktisch steht mein inneres System daneben und fragt: „Ja eh, aber wo ist jetzt die Rezension?“

Schwierig.

Ein Bücherblog ohne gelesene Bücher fühlt sich für mich schnell falsch an. Als würde ich am Thema vorbeischreiben. Als müsste jeder Beitrag eine sichtbare Verbindung zu einem Buch haben, sonst wird er verdächtig. Dabei ist Lesen ja nie nur das Buch selbst. Lesen ist auch der Zustand, in dem man überhaupt lesen kann. Die innere Verfügbarkeit. Die Ruhe. Die Bereitschaft, sich auf fremde Gedanken einzulassen, statt nur den eigenen Lärm leiser drehen zu wollen.

Im Juni war dieser Zustand nicht da.

Das heißt nicht, dass Bücher unwichtig geworden sind. Es heißt nur, dass mein Kopf gerade kein weiterer Raum sein wollte, der betreten wird. Er wollte eher eine Tür schließen, Licht dimmen und nichts erklärt bekommen.

Kann man ihm übel nehmen.

Muss man aber nicht.

Und vielleicht ist genau das der ehrlichere Bücherblog-Beitrag für diesen Monat: nicht über ein Buch zu schreiben, sondern über die Lücke, die entsteht, wenn Lesen ausfällt. Über dieses leise Kratzen am Selbstbild. Über die Frage, warum ein Hobby so schnell zur Nachweispflicht wird. Über die unschöne Erkenntnis, dass ich Lesen manchmal nicht nur als Genuss betrachte, sondern auch als Beleg dafür, dass ich meine Zeit „gut“ genutzt habe.

Was auch immer „gut“ in dem Zusammenhang heißen soll.

Wahrscheinlich: produktiv. Sichtbar. Erzählbar. Bewertbar.

Also genau die Sorte Wörter, die sich heimlich in Hobbys einschleicht und dort so tut, als hätte sie schon immer dazugehört.

Hat sie aber nicht.

Lesen muss nicht immer verwertbar sein. Das weiß ich. Theoretisch. Ich könnte es wahrscheinlich sogar ziemlich überzeugend jemand anderem erklären. Bei mir selbst bin ich weniger leichtgläubig. Da greift dann wieder diese alte innere Mechanik: Wenn nichts herauskommt, war es vielleicht nicht genug.

Nur stimmt das eben nicht.

Der Juni war nicht leer.

Er war voll. Vielleicht sogar zu voll für Bücher.

Er war warm. Er war laut. Er war anstrengend. Er hatte Abgaben, Berieselung, volle Gedanken, Vorfreude, Musik und diesen einen Konzertmoment, der mehr Energie hinterlassen hat als manche perfekt abgehakte To-do-Liste.

Er hatte nur keine gelesenen Bücher.

Und ja, das stört mich. Ich werde jetzt nicht so tun, als wäre ich darüber vollkommen tiefenentspannt und erleuchtet. Bin ich nicht. Ich hätte gerne gelesen. Ich hätte gerne eine Rezension geschrieben. Ich hätte gerne etwas Buchiges vorzuweisen gehabt, damit dieser Beitrag sauberer ins Konzept passt.

Aber vielleicht ist genau dieses „sauber ins Konzept passen“ manchmal das Problem.

Nicht alles, was zu einem Bücherblog gehört, ist eine Rezension. Manchmal gehört auch der Monat dazu, in dem keine Rezension entsteht. Die Pause. Die Lücke. Das schlechte Gewissen. Die Frage, warum sich ein ungelesener Monat sofort wie ein kleiner persönlicher Mangel anfühlt.

Ich habe im Juni kein einziges Buch gelesen.

Das ist die Wahrheit.

Die andere Wahrheit ist: Ich habe gelebt, gearbeitet, abgegeben, mich berieseln lassen, mich auf Sommer gefreut und auf der Clam für ein paar Stunden gespürt, dass Energie nicht immer aus Ruhe kommt. Manchmal kommt sie aus Bass, Stimme, Ort und einem Moment, der einen aus dem eigenen Kopf schiebt.

Vielleicht lese ich im Juli wieder mehr. Vielleicht nicht sofort. Vielleicht braucht es erst Urlaub, Wasser, Sonne und ein bisschen weniger inneres Grundrauschen. Ich werde sehen.

Was ich mir jedenfalls nicht vornehmen möchte: aus dem Juli direkt die nächste Prüfung zu machen.

Denn genau dort beginnt dieser ganze Unsinn wieder.

Also bekommt der Juni jetzt seinen Beitrag. Keinen klassischen Bücherbeitrag. Keine Rezension. Keine Liste. Kein literarisches Leistungsabzeichen zum Anheften.

Nur diese Notiz aus einem warmen Monat mit vollem Kopf, 0 gelesenen Büchern und einer inneren Buchhaltung, die wieder einmal etwas zu wichtig tut.

Sie darf das gerne unbefriedigend finden.

Ich veröffentliche es trotzdem. 🥰


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Mai 2026

🐾 Zwischen Auszeit, Hundeglück und dem Gefühl, mehr zu schaffen, als man denkt

Der Mai war voll. Punkt.

Nicht „ein bisschen viel“, nicht „leicht herausfordernd“, sondern wirklich voll. Mit Studium, Abgaben, Therme, Menschen, Hundeglück, ein bisschen Lesen, ein bisschen digitaler Kunst und sehr viel von diesem Gefühl: Okay, ich ziehe das jetzt durch.

Wenn ich den Mai in drei Wörter packen müsste, wären es wohl: lehrreich, anstrengend und erfolgreich.
Und ja, ich weiß, das klingt nach einem dieser Sätze, bei denen man sich selbst kurz denkt: „Na servas, jetzt wird sie aber wichtig.“ Aber manchmal darf man auch einfach sagen, wenn man fleißig war. Ich war fleißig. Sehr sogar.

Der Mai begann aber nicht mit Studium, sondern mit einer kleinen Auszeit. Anfang Mai war ich zwei Tage in der Therme Erding. Der Grund war ziemlich speziell: Die Community von D1rtyD3vil hatte ein Subgoal erreicht, und daraus wurde eine Männerrunde. Also wirklich eine Männerrunde. Und ich war die Ausnahme.

Ich habe mich dort aber sehr wohlgefühlt. Nicht geduldet, nicht irgendwie „mitgenommen“, sondern ganz normal als Teil der Runde. Das war schön. Alle haben normal mit mir geredet, auf Augenhöhe, ohne komisches Gehabe. Ich hatte gute Gespräche, wir haben gut gegessen, viel gelacht und einfach eine gute Zeit gehabt.

Die Männer gingen fleißig rutschen. Sehr fleißig sogar. Zwischendurch machten sie „Bubu“ … also schlafen. Auf Liegen, in Körben, auf Sesseln, überall dort, wo man offenbar kurz in den Energiesparmodus wechseln konnte. Ich finde das Wort „Bubu“ übrigens herrlich. Es klingt viel niedlicher als „ich bin komplett erledigt und muss mich jetzt kurz wegbeamen“.

Ich selbst war weniger rutschen und mehr lesen. Das Wetter war zwar schön, aber mir war es draußen zu kalt, also hatte ich von der Sonne nicht ganz so viel. Gestört hat mich das aber nicht wirklich. Für mich waren die Gespräche, das Lesen, das gute Essen und diese unkomplizierte Runde viel wichtiger. Es waren wirklich coole, nette Typen. Und manchmal ist genau das die bessere Auszeit: nicht das perfekte Wetter, nicht der perfekte Plan, sondern Menschen, bei denen man sich wohlfühlt.

Das Zimmer war auch richtig cool. Es sah aus wie in einem Schiff. Solche Details bleiben mir hängen. Ich mag es, wenn Orte ein bisschen Charakter haben und nicht einfach nur aussehen wie „Hotelzimmer Nummer 475, bitte schlafen Sie hier funktional“.

Gelesen habe ich dort auch. Ich habe Loverboy – Niemand liebt dich so wie ich“ von Antonia Wesseling“ angefangen. Sehr weit bin ich allerdings nicht gekommen. Ungefähr bis 9%. Danach kam der Mai mit Anlauf zurück und hat mir recht deutlich gezeigt, dass Bücher zwar schön sind, aber mein Studium gerade sehr laut „Hallo, ich bin auch noch da“ ruft.

Eine Rezension gibt es deshalb diesmal nicht. Ich habe es schlicht nicht fertig gelesen. Und ja, das ärgert mich ein bisschen, weil mein Blog eben auch ein Buchblog ist. Aber ich werde mir jetzt sicher keine Rezension aus den Fingern saugen, nur damit da etwas steht. Das wäre Quatsch. Wenn ich ein Buch bespreche, dann richtig. Alles andere kann ich lassen.

Und damit kommen wir zum großen Block des Monats: Studium.

Ich habe im Mai fünf Module abgegeben.

Nicht bestanden! Das weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Abgegeben. Das ist ein wichtiger Unterschied, und den möchte ich auch sauber so stehen lassen. Die Bewertungen kommen erst noch. Aber fünf Abgaben in einem Monat sind trotzdem fünf Abgaben in einem Monat. Da muss ich mich jetzt auch nicht künstlich kleiner machen.

Ich studiere neben meinem Vollzeitjob und habe bewusst ein Studienmodell gewählt, das mehr Spielraum lässt. Ursprünglich wäre es in meinem Modell völlig in Ordnung, für ein Modul ungefähr zwei Monate einzuplanen. Das ist auch sinnvoll, wenn man nebenbei arbeitet und nicht komplett den Verstand verlieren möchte. Wobei 😁🙈 manche Tage diskutiert man darüber innerlich schon ein bisschen.

Ich habe mir aber für April, Mai, Juni und Juli vorgenommen, etwas mehr Gas zu geben. Nicht, weil ich muss. Nicht, weil mich jemand jagt. Sondern weil ich ausprobieren wollte, was möglich ist, wenn ich gut plane und konsequent bleibe.

Für Mai hatte ich mir vier Abgaben vorgenommen. Geworden sind es fünf.

Das klingt im Nachhinein fast nüchtern. War es aber nicht. Dahinter steckten viele Stunden Arbeit, viele Wochenenden, einige Feiertage, die mir sehr zugute kamen, und ziemlich viel freie Zeit, die direkt ins Studium gewandert ist. Ich habe mir den Mai aber bewusst gut eingeteilt. Es war nicht chaotisch. Es war nicht dieses panische „Ich renne brennend durch den Kalender und hoffe, dass irgendwo ein freier Tag auftaucht“. Es war geplant.

Ich habe im Grunde jede Woche ein Modul bearbeitet. Und genau das war für mich die eigentliche Herausforderung: meinen Plan durchzuziehen.

Nicht der Zeitdruck. Den hatte ich nicht wirklich. Den mache ich mir, wenn überhaupt, selbst. Talent dazu hätte ich, keine Sorge. Aber im Mai ging es weniger um Druck und mehr um Disziplin. Ich wollte wissen, ob ich meinen Plan halten kann. Und ja, ich konnte.

Das erste Semester ist damit geschafft. Eines von zwölf.

Wenn man das so schreibt, klingt es sofort wieder nach: „Na dann, nur noch elf.“ Danke, Gehirn. Sehr motivierend. Aber trotzdem ist es ein Meilenstein. Ich bin stolz auf mich. Und erleichtert. Beides gleichzeitig.

Ich werde hier keine Noten ausbreiten, weil es mir in diesem Beitrag nicht darum geht. Ich möchte nicht, dass aus diesem Rückblick ein „Schaut her, wie brav ich bin“-Text wird. Mir geht es eher darum, was dahintersteht: planen, lernen, abgeben, dranbleiben. Neben einem Vollzeitjob. Neben Alltag. Neben allem, was eben trotzdem weiterläuft.

Noten sind schön, wenn sie gut sind. Klar. Ich bin auch nicht aus Stein. Aber sie zeigen nicht die ganze Geschichte. Sie zeigen nicht, wie oft man sich am Abend noch einmal hinsetzt. Sie zeigen nicht, wie viel man an Wochenenden macht. Sie zeigen nicht, wie oft man Dokumente nochmal öffnet, obwohl man eigentlich schon keine Lust mehr hat.

Der Mai hat mir wieder gezeigt: In einem kann mehr stecken, als man denkt.

Nicht auf diese künstliche „Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst“-Art. So ein Satz nervt mich ehrlich gesagt. Man kann nicht alles schaffen. Man hat Grenzen. Man hat Energie, die irgendwann leer ist. Man hat einen Körper, einen Alltag und manchmal auch einfach keinen Nerv mehr.

Aber manchmal steckt eben doch mehr in einem, als man vorher geglaubt hat. Nicht unendlich viel. Aber mehr. Und das zu merken, ist schon ziemlich cool.

Mein eigentliches Monatshighlight war aber kein Modul.

Es war ein Hund.

Ich war im Mai wieder einmal bei meiner Schwägerin und meinem Schwager, und die haben einen Elo. Und ja, wer mich kennt, weiß: Hunde sind bei mir ein sehr direkter Weg ins Herz. Da gibt es keine langen Verhandlungen.

Ich liebe Hunde. Ich liebe es, wenn sie sich an mich drängeln, gestreichelt werden möchten und kuscheln wollen. Dieses Gefühl, wenn ein Hund zu einem kommt und auf seine Art sagt: „Du bist okay, ich mag dich“ 🥰 das macht mich glücklich. Punkt.

Viele Hunde mögen mich sehr gern. Da gibt es auch noch einen Border Collie, der ganz verrückt nach mir ist. Von dem erzähle ich ein andermal. Der Elo ist vielleicht nicht ganz so exzessiv, aber er mag mich auch sehr. Und wenn mich ein Hund mag, dann ist das für mich einfach schön.

Der eigentliche Star des Monats. Ich diskutiere das nicht. 🐶💕🐾

Das ist vielleicht kein spektakuläres Highlight für andere Menschen. Für mich schon. Zwischen Studium, Abgaben und Alltag war dieser Besuch eine richtige Herzenspause. Und manchmal braucht man genau das: keine große Erklärung, kein Programm, kein Ziel. Nur ein Hund, der Nähe sucht.

Kreativ war der Mai auch ein kleines bisschen. Nicht viel, aber genug, damit ich gemerkt habe: Da ist noch was.

Ich habe ein digitales Katzenbild gemalt. Und das hat mich mehr gefreut, als ich zuerst gedacht hätte. Obwohl ich manchmal mehrere Phasen lang nicht male, merke ich dann: Ich kann es noch. Es ist nicht weg. Es wartet nur manchmal, bis wieder Platz dafür ist.

Die Stimmung von diesem Bild mag ich wahnsinnig gern. Es ist ruhig, weich und beruhigend. Kein realistisches Tierporträt mit Pastell oder Polychromos, sondern ein digitaler Ausflug. Aber genau solche Ausflüge dürfen auch sein. Nicht alles muss sofort in eine feste Richtung passen. Manchmal darf ein Bild einfach entstehen, ohne dass es gleich eine Lebensentscheidung wird.

Weitere Bilder und kreative Zwischenstände teile ich auf meinem Kunstaccount: @franzelin.e. Dort sieht man auch besser, wohin sich meine Kunst gerade entwickelt. Tierporträts, Pastell, Polychromos, aber eben auch ab und zu digital. Ich bin halt kein perfekt sortiertes Regal. Auch wenn ein Teil von mir das sicher gerne wäre.

Wenn ich auf den Mai zurückblicke, sehe ich keinen perfekt ausgeglichenen Monat.

Lesen kam zu kurz. Der Blog kam zu kurz. Kunst kam nur punktuell vor. Dafür war das Studium sehr präsent. Und ehrlich? Das ist gerade in Ordnung so. Nicht jeder Bereich kann gleichzeitig glänzen. Manchmal hat ein Thema Vorrang, und die anderen warten kurz.

Das heißt nicht, dass sie unwichtig sind. Es heißt nur, dass ich Prioritäten setzen muss. Und momentan hat das Studium Vorrang. Kann man drehen und wenden, wie man will. Es ist so!

Für Juni möchte ich konsequent bleiben. Aber bitte in einem vernünftigen Maß. Zwei Module reichen. Es müssen nicht wieder fünf sein. Nicht jeder Monat muss Mai spielen. Vielleicht bleibt dann auch wieder etwas mehr Zeit zum Lesen. Mein angefangenes Buch würde sich vermutlich freuen, wenn es nicht bei neun Prozent in der Warteschleife verhungert.

Der Mai war also kein ruhiger Monat. Aber ein guter. Einer, der mir gezeigt hat, dass Auszeit nicht immer perfekt aussehen muss, dass nette Menschen viel ausmachen, dass Hundeglück sehr real ist und dass ich mehr schaffen kann, als ich manchmal glaube.

Aber ich muss nicht jeden Monat alles aus mir herausholen.

Das nehme ich mir mit. Hoffentlich.
Man kennt sich ja.

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April 2026

Zwischen Magie, Pannen und drei Abgaben

Der April war einer dieser Monate, bei denen man rückblickend fast lachen muss, weil einfach zu viel auf einmal passiert ist. Nicht dieses schöne, saubere „ein Ereignis nach dem anderen“, sondern eher: Urlaub, Musical, Freunde, kaputtes Auto, Zugfahrt, Uni-Abgaben, gute Nachrichten, Erschöpfung. Alles einmal bitte und zwar gleichzeitig.
Eigentlich hätte der April ein Monat zum Durchatmen werden sollen. Hamburg war geplant. Ein paar Tage weg, raus aus dem Alltag, Musicals anschauen, gut essen, andere Luft atmen. Genau das, was ich nach den intensiven Wochen gebraucht habe.

Und dann war da unser Auto.
Schon vor dem Urlaub hatte es einen Motorschaden. Kurz danach machte auch noch die Einspritzdüse für AdBlue Probleme. Wir fuhren nach der Reparatur trotzdem nach Deutschland, weil irgendwann ist auch einmal der Punkt erreicht, an dem man sich denkt: Jetzt ziehen wir das durch. Auf der Heimfahrt wurde dann auch noch das Thermostat kaputt. Wir wurden abgeschleppt, strandeten erst in Weißenfels bei Leipzig und fuhren schließlich mit dem Zug weiter nach München.
Das war nicht romantisch. Das war nicht abenteuerlich im schönen Sinn. Das war anstrengend, mühsam und genau die Art von Erfahrung, auf die man im Urlaub eigentlich verzichten kann.

Aber trotz allem gab es sehr schöne Momente. Und die bleiben deutlich hängen, weil drumherum nicht alles glattgelaufen ist.

Und dann gab es im April noch ein tolles Ereignis, das für mich persönlich wichtig war: Ich habe meinen neuen Elektrorollstuhl bekommen. Er heißt Viktor. Ja, natürlich hat er einen Namen. Wenn etwas im Alltag so viel Bedeutung hat, darf es für mich nicht einfach nur ein Hilfsmittel bleiben.
Viktor bedeutet für mich Mobilität, Selbstständigkeit und ein Stück Freiheit.
Während unser Auto also beschlossen hat, nacheinander seine eigenen Dramen aufzuführen, kam gleichzeitig mein neuer Rollstuhl in mein Leben.

April hatte offenbar ein sehr klares Technik-Thema: Ein Fahrzeug gibt auf, ein anderes zieht ein.

In Hamburg haben wir uns Harry Potter und das verwunschene Kind angesehen. Für mich war das besonders, weil ich mit Harry Potter aufgewachsen bin. Dieses Gefühl war sofort wieder da. Nicht einfach nur Nostalgie, sondern dieses kurze Zurückfallen in eine Welt, die einen früher begleitet hat.

Die Inszenierung war wirklich beeindruckend. Besonders die Bühnentechnik und die Effekte haben mich überrascht. Die Szene mit den Dementoren, die von der Decke herunterkamen, war für mich ein echtes Highlight. Da saß ich wirklich da und dachte mir: Ja, genau so muss sich Magie auf einer Bühne anfühlen.

Auch das Theater selbst war schön in die ganze Atmosphäre eingebunden. Es wirkte nicht so, als würde nur auf der Bühne etwas passieren, sondern als wäre der ganze Raum Teil davon. Die Schauspieler waren stark. Besonders Snape und Umbridge sind mir in Erinnerung geblieben. Inhaltlich fand ich das Stück spannend und stellenweise auch bewegend.

Was ich ebenfalls positiv erwähnen möchte: Die Barrierefreiheit war sehr gut. Mein Rollstuhlplatz hatte eine gute Sicht, das WC war groß, sauber und ordentlich. Insgesamt hatte ich nicht das Gefühl, irgendwo nur „mitgedacht, aber nicht wirklich eingeplant“ worden zu sein. Das ist leider nicht selbstverständlich.

Das gastronomische Angebot vor Ort hat mich weniger überzeugt. Es wirkte auf mich eher wie teure Imbisskost. Aber das Stück selbst war großartig.

Auch MJ – Das Michael Jackson Musical hat mich sehr gepackt. Ich habe bei praktisch jedem Lied mitgesungen und allein daran merkt man schon, wie sehr mich dieser Abend mitgenommen hat. Die Energie auf der Bühne war enorm. Die Choreografien, die Kostüme, die Musik, die ganze Inszenierung. Das hatte einfach Kraft.

Was mir besonders gefallen hat: Es war nicht nur eine Aneinanderreihung bekannter Hits. Natürlich lebt so ein Musical auch von der Musik, aber hier wurde Michael Jackson auch als Mensch gezeigt. Seine Zweifel, sein Perfektionsdruck, die Prägung durch seinen Vater. Das hat mich mehr berührt, als ich vorher erwartet hätte. Vielleicht auch deshalb, weil ich diesen inneren Druck, alles besonders gut machen zu müssen, auf meine eigene Weise kenne.

Benét Monteiro hat Michael Jackson sehr glaubwürdig gespielt. Nicht nur beim Singen und Tanzen, sondern auch in den ruhigeren Momenten. Auch die jungen Darsteller waren beeindruckend, vor allem der kleine Michael bei den Jackson Five. Was Kinder auf so einer Bühne leisten, ist wirklich nicht ohne.

Ganz perfekt war es für mich trotzdem nicht. Von meinem Rollstuhlplatz im Parkett rechts konnte ich die Band auf der rechten Seite nicht sehen und auch das Bühnenbild hat sich von dort nicht vollständig erschlossen. Barrierefrei war es grundsätzlich, aber die Sicht war aus meiner Perspektive nicht ideal.

Trotzdem gehört dieses Musical für mich zu den besten, die ich bisher gesehen habe. Trotz hohem Ticketpreis war es das Geld wert. Auch die Überfahrt mit dem Boot von den Landungsbrücken zum Veranstaltungsort war ein schönes Extra.

In Wolfsburg waren wir dann in der Autostadt. Ich sage es ehrlich: Ich bin kein riesiger Auto-Fan. Deshalb war für mich nicht jeder Bereich gleich spannend. Am meisten beeindruckt hat mich das Zeithaus, weil ich die Entwicklung und Geschichte der Fahrzeuge wirklich interessant fand.

Die Autostadt selbst habe ich als sehr angenehm erlebt. Das Gelände ist weitläufig, schön gestaltet und man kann dort gut spazieren. Auch für Familien ist es sicher spannend, weil es für Kinder einiges gibt, zum Beispiel einen großen Outdoor-Spielplatz und saisonale Aktionen wie eine Ostereiersuche.

Aus Rollstuhlsicht war die Autostadt für mich sehr gut nutzbar. Ich konnte mich problemlos bewegen, und wenn es irgendwo kleinere Hindernisse gab, wurde mir sofort geholfen. Die Mitarbeitenden waren aufmerksam, freundlich und hilfsbereit, ohne dass es aufgesetzt gewirkt hat. Das mag nach einer Kleinigkeit klingen, ist es aber nicht. Gute Barrierefreiheit besteht eben nicht nur aus Rampen und breiten Wegen, sondern auch daraus, wie selbstverständlich Menschen reagieren.

Einen kleinen Minuspunkt gab es trotzdem: Im Außenbereich lag an manchen Stellen Gänsekot. Das lässt sich wahrscheinlich nicht komplett vermeiden, ist mit Rollstuhl aber unangenehm. Insgesamt war der Besuch für mich dennoch positiv. Für unseren Eintrittspreis war es stimmig, auch wenn wir nach rund zwei Stunden fertig waren. Mit mehr Interesse an Autos oder mit Kindern kann man dort sicher deutlich länger bleiben.

Das Miniatur Wunderland war wieder eine ganz andere Erfahrung. Wir hatten bewusst einen späten Zeitslot um 21 Uhr gewählt, weil wir dachten, dass es dann ruhiger sein würde. Tja. War es nicht.

Die Ausstellung selbst ist unglaublich detailreich. Man merkt wirklich, wie viel Arbeit, Können und Liebe darin steckt. Überall gibt es kleine Szenen, versteckte Details und Dinge, die man wahrscheinlich erst beim zweiten oder dritten Besuch entdeckt. Besonders gefreut habe ich mich über Asterix und Obelix. Auch die Schweiz fand ich sehr stark umgesetzt und die Züge, die sich immer wieder durch die Anlage bewegen, sind großartig gemacht.

Trotzdem konnte ich es nicht so genießen, wie ich es gerne getan hätte. Es war so voll, dass ich nach etwa 30 Minuten freiwillig beim Lift gewartet habe und meinen Mann allein weitergeschickt habe, damit er Fotos macht. Als Rollstuhlfahrerin ist eine volle Ausstellung einfach eine andere Erfahrung. Kinder laufen schnell und unvorhersehbar und wenn Erwachsene dann nicht wirklich aufpassen, wird es schwierig. Nicht, weil Kinder stören. Sondern weil ich mit dem Rollstuhl nicht einfach mal schnell ausweichen kann.

Die Barrierefreiheit an sich war gut. Das Personal war freundlich und hilfsbereit. Beim Eingang braucht man Unterstützung, weil ein Treppenlift vom Personal bedient wird, aber das war für mich kein Problem.

Mein Fazit: Das Miniatur Wunderland ist beeindruckend und sehenswert. Ich würde wiederkommen, aber nur zu einem Rollstuhl-Abend. Ich glaube, unter ruhigeren Bedingungen könnte ich es deutlich mehr genießen.

Ein schönes Treffen mit unseren Freunden in Wolfsburg gab es auch. Leider war es viel zu kurz, aber wir sehen uns bald wieder. Manchmal reicht schon das Wissen, dass ein Wiedersehen nicht ewig weit weg ist.

Und dann war da natürlich noch das Studium.

Im April kam die Note für Datenschutz und IT-Sicherheit: 2,0. Damit war die Zulassungsphase abgeschlossen. Die Studierfähigkeitsprüfung habe ich mit (2,3) bestanden, meine erste wissenschaftliche Arbeit mit 1,3 und diese Klausur nun mit 2,0.

Ich glaube, ich darf an dieser Stelle schon einmal kurz stehen bleiben und sagen: Das war kein schlechter Start.

Nicht perfekt, nicht mühelos, nicht nebenbei. Aber echt. Erarbeitet. Und genau deshalb bedeutet es mir etwas.

Gleichzeitig hat der April sehr deutlich gezeigt, dass Erfolg nicht automatisch mehr Energie bringt. Ich habe drei schriftliche Abgaben gemacht: Agiles Projektmanagement, Social Engineering und Insider Threats sowie Wahrscheinlichkeit und deskriptive Statistik. Drei Abgaben in einem Monat klingen auf dem Papier vielleicht strukturiert. In der Realität bedeutet es: lesen, denken, formulieren, prüfen, kürzen, wieder prüfen und irgendwann hoffen, dass der eigene Kopf nicht komplett aussteigt.

Ein Buch habe ich im April nicht fertig gelesen. Eine Biografie habe ich angefangen, bin aber nicht weit gekommen. Der Platz im Kopf war gerade von anderen Dingen besetzt. Quellen, Aufgabenstellungen, Abgaben, Deadlines, Formulierungen. Irgendwann ist auch der innere Speicher voll.

Vielleicht ist das eine der ehrlichsten Erkenntnisse aus diesem Monat: Ich kann viel leisten, aber nicht alles gleichzeitig gleich intensiv leben.

Der April war voll. Schön voll. Anstrengend voll. Manchmal auch einfach zu voll.

Er hatte Magie, Musik, Technik, Freundschaft, kaputte Autoteile, Zugfahrten, gute Noten, Abgaben und diese spezielle Mischung aus Stolz und Müdigkeit, die man schwer erklären kann, wenn man nicht gerade selbst mittendrin steckt.

Der Mai startet für mich übrigens direkt mit der Therme Erding. Ich darf bei einer Männerrunde mitfahren. Irgendwo zwischen 15 und 20 Männern, so genau weiß ich es selbst nicht. Sagen wir es so: Wenn ich nach diesem April noch nicht genug Belastungstest hatte, bekomme ich dort wahrscheinlich den sozialen Feinschliff.

Aber ehrlich: Ich freue mich darauf. Warmes Wasser, Tapetenwechsel, ein bisschen Abstand vom Alltag mit einem Buch. Nach diesem April klingt das ziemlich gut.

Wenn mir der April eines gezeigt hat, dann das: Man kann vieles durchziehen. Man kann improvisieren, weitermachen, lernen, schreiben, reisen und irgendwie Lösungen finden.

Aber irgendwann muss man auch aussteigen dürfen.

Aus dem Auto.
Aus dem Zug.
Aus dem Lernmodus.

Und im Mai offenbar mitten hinein in eine Männerrunde in der Therme Erding. 😁🙈💕

März 2026

🍀Zwischen Bestätigung, Warten und Vorfreude

Der März war für mich kein lauter Monat. Kein Monat, der mit großen Gesten daherkommt oder sich unbedingt in den Vordergrund drängt. Eher einer, der sich still eingeordnet hat zwischen Erleichterung, Anspannung und der leisen Gewissheit, dass sich gerade etwas verändert.

Ich habe im März die Note für meine erste wissenschaftliche Arbeit im Studium zurückbekommen: 1,3.

Und ja, ich habe mich sehr gefreut. Aber es war nicht nur Freude. Es war dieses tiefe innere Aufatmen, das man kaum in schöne Worte packen kann, weil es in Wahrheit viel größer ist als bloßer Stolz. Es war das Gefühl, dass sich etwas bestätigt hat, das ich eigentlich längst weiß und trotzdem manchmal wieder neu hören muss: Ich gehöre hier hin.

Vielleicht bedeutet mir genau dieser Satz deshalb so viel, weil ich in einem elektrischen Rollstuhl sitze und spinale Muskelatrophie habe. Menschen sehen oft zuerst die Behinderung und glauben dann, den Rest gleich mit beurteilen zu können. Als würde ein körperliches Anderssein automatisch bedeuten, dass auch im Kopf etwas fehlen muss. Genau das tut es nicht.

Diese 1,3 war für mich deshalb mehr als nur eine gute erste Uninote. Sie war auch etwas sehr Persönliches. Eine stille Antwort auf all die kleinen und großen Vorurteile, die einem im Leben begegnen. Nicht laut, nicht kämpferisch, nicht trotzig. Einfach nur klar.

Wer mir wirklich eine Chance gibt, merkt meistens ziemlich schnell, dass vieles an mir ganz anders ist, als es von außen wirkt. Und manche Menschen schaffen es auch nach einiger Zeit, meinen stark sarkastischen Humor zu verstehen.

Ich habe gelernt, mit solchen Dingen umzugehen. Manche Sätze bleiben kurz hängen, drehen ein paar Loopings im Kopf und verschwinden dann auch wieder. Und manchmal gelingt es sogar, Menschen aufzuklären und Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Vielleicht liegt genau darin etwas Eigenartiges, aber auch Kraftvolles: Wer unterschätzt wird, kann manchmal umso deutlicher zeigen, was wirklich in ihm steckt.

Die 1,3 war für mich also nicht nur eine Zahl, sondern auch Bestätigung. Schreiben liegt mir. Verstehen liegt mir. Gedanken ordnen, Zusammenhänge erfassen, Inhalte so formulieren, dass sie wirklich meine eigenen werden. Das ist etwas, das mir näher ist als stumpfes Auswendiglernen. Ich möchte nicht nur wiedergeben. Ich möchte begreifen.

Der März bleibt für mich trotz aller Freude auch ein Monat des Wartens. Ich habe eine Klausur geschrieben, auf deren Note ich noch immer warte. Diese Note entscheidet mit darüber, ob ich die Zulassungsphase hinter mir lassen kann und endlich immatrikuliert werde. Wenn ich nicht bestehe, muss ich wiederholen. Auch das gehört zu diesem Monat dazu: dieses Schweben zwischen „geschafft“ und „noch nicht ganz“.

Überhaupt merke ich inzwischen, dass das Studium meinen Alltag verändert. Nicht so sehr im äußeren Ablauf, aber in meiner Energie. Nach der Arbeit, vollzeit vor einem Computer, ist nicht einfach Feierabend. Dann geht es weiter am Computer zuhause, mit digitalen Skripten, mit Lernen, mit Durcharbeiten, mit Verstehen. Früher war am Abend oft noch Platz für andere Dinge. Für Malen, für Lesen, für Serien, für dieses Gefühl von Freizeit, das sich wirklich nach Freizeit anfühlt. Im Moment ist dieser Platz kleiner geworden.

Selbst beim Lesen merke ich das. Ich schaffe derzeit nur noch ein Buch im Monat und auch das erzählt eigentlich schon genug.

Im März war das Mate – Die unzumutbare Unmöglichkeit von Liebe. Mich hat zuerst das Cover angelacht. Ich liebe Wölfe und vor allem Hunde. Meine Schwäche. Genau das war in dem Moment offenbar richtig. Ich wollte kein Buch, das mich zusätzlich zerlegt, beschäftigt oder noch tagelang gedanklich festhält. Davon gibt es genug und ich mag solche Geschichten auch sehr. Aber nicht immer passt die eigene Lebensphase zu einem Buch, das jede Aufmerksamkeit verschlingt. Mate war für mich eher eine kleine Flucht. Etwas, das mich unterhalten und die Wartezeit ein wenig weicher machen durfte.

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Außerdem möchte ich im März noch eine kleine Empfehlung dalassen: Mein schönstes Landschafts-Malbuch Band 1 von Tobias Nolte. Ich mag es, kreative Projekte sichtbar zu machen, gerade dann, wenn Menschen etwas Eigenes erschaffen und mit der Welt teilen. Vielleicht auch deshalb, weil ich selbst weiß, wie viel Herzblut oft in solchen Dingen steckt.

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Und während der März sich oft nach Lernen, Warten und innerer Spannung angefühlt hat, wartet Anfang April etwas, worauf ich mich wirklich freue: Hamburg.

Mein Mann und ich fahren für ein paar Tage weg. Allein dieser Tapetenwechsel fühlt sich gerade nach etwas an, das ich brauche. Raus aus dem Gewohnten, raus aus dem immer gleichen inneren Kreisen, einfach einmal woanders sein. Wir freuen uns auf das Michael-Jackson-Musical, auf Harry Potter und das verwunschene Kind Musical, auf das Miniatur Wunderland. Wenn ich ehrlich bin, auch sehr auf zwei Restaurants mit richtig guten Fischgerichten, die mir schon vor vier Jahren aufgefallen sind. Dass wir dort jetzt nochmals hingehen, freut mich fast genauso sehr wie das Programm selbst. Und wir treffen uns mit Freunden in Wolfsburg. Besser geht es nicht.

Vielleicht war der März genau das: kein spektakulärer Monat, aber ein ehrlicher. Einer, der mir gezeigt hat, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Dass ich etwas kann. Dass ich hier nicht zufällig gelandet bin. Und dass Vorfreude manchmal genau das ist, was man braucht, wenn der Alltag gerade sehr voll geworden ist.

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Februar 2026

☃️ Abgegeben, gewartet und kurz in Magie eingetaucht

Der Februar war bei mir kein Monat für große Ansagen. Eher einer für: machen, abliefern, nicht zerdenken. Ich habe meine erste wissenschaftliche Arbeit im Studium abgegeben und seitdem ist da dieses sehr spezielle Gefühl, das man nicht wegmeditieren kann: Unsicherheit. Jetzt heißt es warten. Der Rest liegt nicht mehr in meiner Hand und ich bin ehrlich gespannt, was am Ende als Note zurückkommt. Mein Kopf tut natürlich so, als könnte er durchs Grübeln die Bewertung beschleunigen, aber wir wissen beide: Das klappt nur bei Stress, nicht bei Noten.

Das Thema hatte ich schnell, weil es mich persönlich und fachlich gleichzeitig packt: smarte Elektrorollstühle, Vernetzung und die Frage, wie sicher solche Systeme wirklich sind. Sagen wir es so: Ich habe mich mit überraschend viel Begeisterung durch Funkverbindungen, App Anbindungen und Sicherheitsfragen gewühlt, weil genau dort entschieden wird, ob Technik Freiheit bedeutet oder neue Risiken schafft.

Mein Problem war dabei nicht das bloße Übersetzen. Das wäre der bequeme Weg. Der schwierige Teil war dieses Dreieck aus Verstehen, Bewerten und Paraphrasieren. Erst wirklich kapieren, was gemeint ist. Dann prüfen, ob es meiner Argumentation tatsächlich etwas bringt. Und erst danach: in eigenen Worten so formulieren, dass es meine Arbeit bleibt und nicht Englisch in Tarnfarbe. Ich wollte es sauber machen. Nicht schnell. Und ja, genau deshalb habe ich lange gesucht und lange gelesen, bis ich mich sicher genug gefühlt habe.

Dazu kam noch, dass ich im Februar auch krank war. Nichts Dramatisches, aber genug, um mich daran zu erinnern, dass Produktivität manchmal weniger mit Willen zu tun hat und mehr mit Energie. Umso mehr fühlt sich die Abgabe wie ein kleiner, stiller Punkt auf meiner inneren Liste an: Haken dran.

Und weil Gedankenlaub ein Buchblog ist und bleiben soll, gab es trotzdem einen Ausflug in eine andere Welt: Animox 1 Das Heulen der Wölfe. Meine Stieftochter hat mich darum gebeten und das hatte etwas Schönes. Ich lese für die Uni zwar sowieso permanent, aber das ist funktionales Lesen. Das hier war dieses andere Gefühl: in einer Geschichte willkommen zu sein.

Ich liebe Settings, in denen Magie, Zauber und Fantasy zusammenkommen. Und ich mag diese Idee, die mich immer erwischt: Was, wenn Magie real sein könnte? Ganz ehrlich: Wäre es nicht schön, wenn man mit Tieren sprechen könnte?

Wenn du magst, blättere dich gern durch meine gelesene Geschichte im Februar. Hier findest du den Beitrag dazu:

Und falls ich demnächst wieder stundenlang englische Papers durchkämme, wünsche ich mir nur eines: Dass mir irgendwo zwischen Abstract, Fachbegriffen und Fazit ein Wolf zuflüstert: Du hast das schon richtig verstanden.


Jänner 2026

☃️ Zwischen Neujahr, Triggerwarnungen und Quellenjagd

Der Jänner ist für mich jedes Jahr ein Monat voller Widersprüche. Einerseits klingt überall dieses laute „Neustart!“, als würde mit dem Umblättern des Kalenders automatisch ein neues Kapitel beginnen. Andererseits fühlt es sich oft mehr nach „tief durchatmen, einen Schritt nach dem anderen“ an. Auch dieses Mal war es nicht anders. Kein kinoreifer Jahresbeginn, kein Instagram-würdiger „Fresh Start“-Moment. Stattdessen ein Monat, der mich ordentlich durchgerüttelt hat und immer wieder gefragt hat: „Wie ernst meinst du es wirklich mit deinen Vorsätzen?“

Trotz meines Bachelorstudiums will ich meinen Blog nicht aufgeben. Klar, ich schraube zurück, sortiere mich neu, setze Prioritäten. Aber „weniger“ bedeutet eben nicht „gar nicht“. Ich möchte mir weiterhin das bewahren, was mir guttut: Lesen, Schreiben, Gedanken festhalten. Gerade dann, wenn der Stresspegel steigt und der Alltag Gefahr läuft, alles Kreative zu ersticken.

Mein Geburtstag fiel dieses Jahr mitten in eine dieser vollen Wochen. Ehrlich gesagt: Es war ein ganz normaler Tag. Arbeit, Heimweg, Abendessen, Lernen. Kein großes Tamtam, keine plötzlichen Lebensweisheiten. Einfach nur ein leises „Okay, wieder ein Jahr älter und trotzdem bleibe ich meinen Weg treu.“ Vielleicht ist genau das der Inbegriff von Erwachsensein: Nicht mehr auf den einen besonderen Tag zu warten, sondern einfach weiterzumachen, weil es sich richtig anfühlt.

Der größte Brocken im Jänner war aber definitiv die Vorbereitung auf Modul 2: Einführung in die wissenschaftliche Arbeit in IT und Technik. Ich fühlte mich dabei manchmal wie ein Schatzsucher im Ozean der Fachliteratur, nur dass ich statt nach Gold nach wissenschaftlichen Quellen fische, die nicht nur irgendwie, sondern auch wirklich passen.

Und diese Recherche hat es in sich. Es ist eben nicht „mal schnell googeln“. Es ist stundenlanges Suchen, Vergleichen, Verwerfen. Man findet eine Quelle, freut sich und merkt beim zweiten Blick: Zu oberflächlich. Zu alt. Nicht wissenschaftlich genug. Oder: Super spannend, aber mein Englisch reicht für Smalltalk, nicht für komplizierte Fachartikel und präzises Zitieren. Aber genau da will ich mich nicht rausreden. Ich will es richtig machen. Nicht schnell, sondern gründlich. Mit sauberer Argumentation, klaren Zitaten, nachvollziehbarer Struktur.

Zitieren, das klingt so technisch, aber es zwingt mich immer wieder, achtsam und kritisch zu bleiben. Es fordert Disziplin, Genauigkeit und manchmal auch die Bereitschaft, eigene Fehler einzugestehen. Und ich gebe zu: Manchmal frage ich mich, warum die Quellenangaben immer auf Kriegsfuß mit mir stehen. 😄

Trotz allem habe ich mir ein Buch gegönnt: „My Blade, Your Back“. Kein Lesemarathon, eher eine kleine, dunkle Auszeit zwischendurch. Und ja, ich habe eine Schwäche für düstere, schräge, toxische Geschichten. Je ungesünder, desto besser funktioniert es manchmal als Leseerlebnis. Das Buch war definitiv nicht „healthy“, aber es hat mich gepackt und am Ende gab’s von mir vier Sterne. Wichtig: Im Buch gibt es Triggerwarnungen, und die sollte man ernst nehmen. Nicht alles ist für jede*n und das ist vollkommen in Ordnung.

Als wäre die Uni-Quellenjagd nicht genug, wurde es im Hauptjob auch kurz „sportlich“. Mehr muss ich dazu gar nicht sagen, nur so viel: Jänner hat mich nicht nur fachlich, sondern auch emotional gefordert.

Für den Februar setze ich mir ein klares Ziel: Die Abgabe meiner ersten wissenschaftlichen Arbeit im Studium, an der ich gerade akribisch arbeite. Mein Fokus liegt darauf und trotzdem möchte ich nicht vergessen, dass ich nicht nur Studentin bin, sondern auch jemand, der mit Leidenschaft schreibt. Momentan halt nach etwas strengeren Vorgaben.

Wenn ich den Jänner mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es nicht „Neustart“, sondern eher „Chaos mit Richtung“. Oder: Turbulenzen, aber ich sitze noch am Steuer. Und das fühlt sich, bei allem Trubel, eigentlich ziemlich gut an.

Blättere dich gerne durch meine gelesene Geschichte im Jänner:


❄️ Dezember 2025 – Prioritäten, Aufbruch und trotzdem Geschichten

Der Dezember kam nicht leise – er kam klar. Während draußen Lichterketten glühten und die Abende nach Zimt und Filmen rochen, hat sich in mir etwas sortiert. Kein hektisches „alles neu“, eher dieses ruhige, entschlossene Umstellen: Ein neuer Lebensabschnitt. Einer, in dem ich Prioritäten setze und trotzdem nicht aufhöre, ich selbst zu sein.

Ich habe in diesem Monat kein Buch fertig gelesen. Und trotzdem war Literatur da. Nur anders. Nach dem Lesen von „… und war tot.“ habe ich mein Leben hinterfragt und gemerkt: Es geht mehr, als man denkt. Manchmal kommt ein Gefühl und statt es wegzuschieben, sollte man es ernst nehmen: hinterfragen, prüfen, schauen… und dann handeln. Ich habe recherchiert, Wege verglichen und schließlich eine Uni gefunden, die sich auch auf Fernstudien spezialisiert. Und als ich den Studierfähigkeitstest positiv abgeschlossen habe, war es klar: Auf geht’s. Mit einem richtig guten Bauchgefühl.

Diese Entscheidung hat Zeit gekostet. Zeit, die sonst dem Lesen gehört. Dafür habe ich im Dezember Skripte gelesen, über Datenschutz und IT-Sicherheit, wissenschaftliche Beiträge auf YouTube angeschaut und abends bei „Lesungen“ teilgenommen. Viel Kopf, viel Neues, viel Konzentration. Und gleichzeitig war da auch die Weihnachtszeit: Urlaubsmodus, Weihnachtsfilme, Zeit mit Kind und Kegel. Ein Monat zwischen Lernen, Wärme und dem Gefühl, dass etwas in Bewegung gekommen ist.

Für 2026 nehme ich mir etwas vor, das realistisch bleibt: pro Monat mindestens ein Buch rezensieren. Wenn es mehr Bücher werden, bin ich auch zufrieden. Ich will Bücher, die „dahinschmelzen“ dürfen – konsumierbar, flüssig, aber trotzdem mit Tiefe. Geschichten, in denen man versinken kann, ohne für jedes Kapitel eine Stunde zu brauchen. Weil ich merke: Ich kann Prioritäten setzen – ohne das Lesen loszulassen.

Und wenn ich auf 2025 zurückblicke, bleiben drei Bücher ganz besonders stark in mir hängen – meine Highlights:

  • „Blackened Blade (1/5)“ von Isla Davon – weil Schmerz spricht und Dunkelheit flüstert, als wäre da ein Riss in der Realität. Trauer, Zugehörigkeit, Widerstand, Selbstdefinition, Wahrheitssuche und diese Kraft von Erinnerung und Freundschaft, die sich nicht leise verabschiedet.
  • „Der Erdbeerpflücker (1/8)“ von Monika Freth – weil die Intensität mich überrascht hat. Jugendbuch vom Label her, ja: aber in der Wirkung weit größer, als man erwartet.
  • „… und war tot.“ von Arne M. Böhler – weil es mir etwas gezeigt hat, das über die Geschichte hinausgeht: Dass man trotz Behinderung – oder vielleicht auch genau deswegen – Karriere machen kann. Und dass Grenzen oft zuerst im Kopf entstehen. Ich erinnere mich dabei „nur“ an eine Nebenfigur, aber diese Erinnerung ist geblieben. Stark.

📚 Jahresrückblick 2025: 41 Bücher | 257:20:48 Lesestunden – ein Jahr voller Welten, Abgründe, Wärme und Nachhall.

2026 wird anders. Mehr Lernen. Neue Ziele. Und trotzdem: Geschichten bleiben, nur mit einem neuen Rhythmus. Ich gehe diesen Weg mit Respekt vor dem, was er verlangt, und mit Freude auf das, was er möglich macht. Und irgendwo zwischen Skripten, Alltag und Weihnachtsfilm-Nachhall wird wieder Platz sein für Seiten, die mich erinnern: Ich kann mehr, als ich mir manchmal zutraue.

Gelesen im November 2025

🍂 November – Zwischen Geschichten und neuen Wegen

Der November hat sich still angeschlichen. Während draußen der Nebel an den Fenstern kratzte, haben sich drinnen die Dinge leise verschoben. Diesmal lag nicht nur ein Buchstapel neben mir, sondern auch ein Stapel Formulare, Entscheidungen und Zukunftspläne. Ich habe Weichen gestellt, damit im nächsten Jahr ein neues Kapitel beginnt. Eines, das viel Lernen, Mut und Veränderung mit sich bringen wird.

Diese Vorbereitung hat Zeit gekostet. Zeit, die sonst dem Lesen gehört. Und doch fühlt es sich richtig an: Die Geschichten bleiben, aber mein Alltag richtet sich gerade ein Stück weit neu aus.

Trotzdem durfte ich in diesem Monat 5 Bücher begleiten. Sie waren düsterer, lauter, widersprüchlicher als sonst. Voller Schatten, Schuld, Glauben, Magie und der Frage, wozu Menschen fähig sind, wenn sie an ihre Grenzen stoßen. Von einer leichtfüßigen, bezaubernden Geschichte bis hin zu Thrillern, in denen Obsession, Macht und Wahrheit aufeinanderprallen, war alles dabei.

Mein Herzensbuch im November war „Und war tot“ von Arne M. Böhler. Diese Geschichte hat mich nicht nur spannend durch die Seiten gejagt, sondern auch nach dem Zuschlagen des Buches beschäftigt. Die Figuren, die Atmosphäre, das leise, stetige Ziehen zwischen Emotion und Abgrund – all das hat etwas in mir angestoßen und mir gezeigt, wie sehr Literatur berühren kann, wenn sie nah an Menschen und ihren Brüchen bleibt.

📚 5 Bücher | 32:02:24 Lesezeit | 2.096 Seiten – ein leiser, aber intensiver Lesemonat zwischen Geschichten und Zukunftsplänen.

Blättere dich gerne durch meine gelesenen Bücher im November – vielleicht wartet auch auf dich darunter eine Geschichte, die dir noch lange nachhallt. ✨



Gelesen im Oktober 2025

🍁 Oktober – ein Monat voller Geschichten und Gefühle

Der Oktober hat sich lesetechnisch nach Aufbruch angefühlt. Neue Reihen, neue Autor*innen, neue Emotionen – und mittendrin ich, mit einem Kakao in der Hand und der Nase tief zwischen den Seiten verborgen. An manchen Tagen war das Lesen mein Ruhepol, an anderen ein kleines Abenteuer, das mich weit weggetragen hat.

Dieser Monat war großzügig mit Geschichten:
8 Bücher durften mich begleiten – jedes auf seine eigene Weise laut oder leise, zärtlich oder schonungslos. Insgesamt waren es 44 Stunden, 52 Minuten und 48 Sekunden, in denen ich mich vom Alltag verabschiedet und in fremde Leben eingetaucht bin. 2.799 Seiten, die gezeigt haben, wie vielfältig Literatur sein kann: von Magie und Freundschaft bis hin zu gebrochenen Seelen, die um Liebe und Menschlichkeit kämpfen.

📚 8 Bücher | 44:52:48 Lesezeit | 2.799 Seiten Magie, Schmerz, Hoffnung

Blättere dich durch meine gelesenen Geschichten im Oktober – vielleicht findest du auch dein nächstes Herzensbuch darunter. ✨