April 2026

Zwischen Magie, Pannen und drei Abgaben

Der April war einer dieser Monate, bei denen man rückblickend fast lachen muss, weil einfach zu viel auf einmal passiert ist. Nicht dieses schöne, saubere „ein Ereignis nach dem anderen“, sondern eher: Urlaub, Musical, Freunde, kaputtes Auto, Zugfahrt, Uni-Abgaben, gute Nachrichten, Erschöpfung. Alles einmal bitte und zwar gleichzeitig.
Eigentlich hätte der April ein Monat zum Durchatmen werden sollen. Hamburg war geplant. Ein paar Tage weg, raus aus dem Alltag, Musicals anschauen, gut essen, andere Luft atmen. Genau das, was ich nach den intensiven Wochen gebraucht habe.

Und dann war da unser Auto.
Schon vor dem Urlaub hatte es einen Motorschaden. Kurz danach machte auch noch die Einspritzdüse für AdBlue Probleme. Wir fuhren nach der Reparatur trotzdem nach Deutschland, weil irgendwann ist auch einmal der Punkt erreicht, an dem man sich denkt: Jetzt ziehen wir das durch. Auf der Heimfahrt wurde dann auch noch das Thermostat kaputt. Wir wurden abgeschleppt, strandeten erst in Weißenfels bei Leipzig und fuhren schließlich mit dem Zug weiter nach München.
Das war nicht romantisch. Das war nicht abenteuerlich im schönen Sinn. Das war anstrengend, mühsam und genau die Art von Erfahrung, auf die man im Urlaub eigentlich verzichten kann.

Aber trotz allem gab es sehr schöne Momente. Und die bleiben deutlich hängen, weil drumherum nicht alles glattgelaufen ist.

Und dann gab es im April noch ein tolles Ereignis, das für mich persönlich wichtig war: Ich habe meinen neuen Elektrorollstuhl bekommen. Er heißt Viktor. Ja, natürlich hat er einen Namen. Wenn etwas im Alltag so viel Bedeutung hat, darf es für mich nicht einfach nur ein Hilfsmittel bleiben.
Viktor bedeutet für mich Mobilität, Selbstständigkeit und ein Stück Freiheit.
Während unser Auto also beschlossen hat, nacheinander seine eigenen Dramen aufzuführen, kam gleichzeitig mein neuer Rollstuhl in mein Leben.

April hatte offenbar ein sehr klares Technik-Thema: Ein Fahrzeug gibt auf, ein anderes zieht ein.

In Hamburg haben wir uns Harry Potter und das verwunschene Kind angesehen. Für mich war das besonders, weil ich mit Harry Potter aufgewachsen bin. Dieses Gefühl war sofort wieder da. Nicht einfach nur Nostalgie, sondern dieses kurze Zurückfallen in eine Welt, die einen früher begleitet hat.

Die Inszenierung war wirklich beeindruckend. Besonders die Bühnentechnik und die Effekte haben mich überrascht. Die Szene mit den Dementoren, die von der Decke herunterkamen, war für mich ein echtes Highlight. Da saß ich wirklich da und dachte mir: Ja, genau so muss sich Magie auf einer Bühne anfühlen.

Auch das Theater selbst war schön in die ganze Atmosphäre eingebunden. Es wirkte nicht so, als würde nur auf der Bühne etwas passieren, sondern als wäre der ganze Raum Teil davon. Die Schauspieler waren stark. Besonders Snape und Umbridge sind mir in Erinnerung geblieben. Inhaltlich fand ich das Stück spannend und stellenweise auch bewegend.

Was ich ebenfalls positiv erwähnen möchte: Die Barrierefreiheit war sehr gut. Mein Rollstuhlplatz hatte eine gute Sicht, das WC war groß, sauber und ordentlich. Insgesamt hatte ich nicht das Gefühl, irgendwo nur „mitgedacht, aber nicht wirklich eingeplant“ worden zu sein. Das ist leider nicht selbstverständlich.

Das gastronomische Angebot vor Ort hat mich weniger überzeugt. Es wirkte auf mich eher wie teure Imbisskost. Aber das Stück selbst war großartig.

Auch MJ – Das Michael Jackson Musical hat mich sehr gepackt. Ich habe bei praktisch jedem Lied mitgesungen und allein daran merkt man schon, wie sehr mich dieser Abend mitgenommen hat. Die Energie auf der Bühne war enorm. Die Choreografien, die Kostüme, die Musik, die ganze Inszenierung. Das hatte einfach Kraft.

Was mir besonders gefallen hat: Es war nicht nur eine Aneinanderreihung bekannter Hits. Natürlich lebt so ein Musical auch von der Musik, aber hier wurde Michael Jackson auch als Mensch gezeigt. Seine Zweifel, sein Perfektionsdruck, die Prägung durch seinen Vater. Das hat mich mehr berührt, als ich vorher erwartet hätte. Vielleicht auch deshalb, weil ich diesen inneren Druck, alles besonders gut machen zu müssen, auf meine eigene Weise kenne.

Benét Monteiro hat Michael Jackson sehr glaubwürdig gespielt. Nicht nur beim Singen und Tanzen, sondern auch in den ruhigeren Momenten. Auch die jungen Darsteller waren beeindruckend, vor allem der kleine Michael bei den Jackson Five. Was Kinder auf so einer Bühne leisten, ist wirklich nicht ohne.

Ganz perfekt war es für mich trotzdem nicht. Von meinem Rollstuhlplatz im Parkett rechts konnte ich die Band auf der rechten Seite nicht sehen und auch das Bühnenbild hat sich von dort nicht vollständig erschlossen. Barrierefrei war es grundsätzlich, aber die Sicht war aus meiner Perspektive nicht ideal.

Trotzdem gehört dieses Musical für mich zu den besten, die ich bisher gesehen habe. Trotz hohem Ticketpreis war es das Geld wert. Auch die Überfahrt mit dem Boot von den Landungsbrücken zum Veranstaltungsort war ein schönes Extra.

In Wolfsburg waren wir dann in der Autostadt. Ich sage es ehrlich: Ich bin kein riesiger Auto-Fan. Deshalb war für mich nicht jeder Bereich gleich spannend. Am meisten beeindruckt hat mich das Zeithaus, weil ich die Entwicklung und Geschichte der Fahrzeuge wirklich interessant fand.

Die Autostadt selbst habe ich als sehr angenehm erlebt. Das Gelände ist weitläufig, schön gestaltet und man kann dort gut spazieren. Auch für Familien ist es sicher spannend, weil es für Kinder einiges gibt, zum Beispiel einen großen Outdoor-Spielplatz und saisonale Aktionen wie eine Ostereiersuche.

Aus Rollstuhlsicht war die Autostadt für mich sehr gut nutzbar. Ich konnte mich problemlos bewegen, und wenn es irgendwo kleinere Hindernisse gab, wurde mir sofort geholfen. Die Mitarbeitenden waren aufmerksam, freundlich und hilfsbereit, ohne dass es aufgesetzt gewirkt hat. Das mag nach einer Kleinigkeit klingen, ist es aber nicht. Gute Barrierefreiheit besteht eben nicht nur aus Rampen und breiten Wegen, sondern auch daraus, wie selbstverständlich Menschen reagieren.

Einen kleinen Minuspunkt gab es trotzdem: Im Außenbereich lag an manchen Stellen Gänsekot. Das lässt sich wahrscheinlich nicht komplett vermeiden, ist mit Rollstuhl aber unangenehm. Insgesamt war der Besuch für mich dennoch positiv. Für unseren Eintrittspreis war es stimmig, auch wenn wir nach rund zwei Stunden fertig waren. Mit mehr Interesse an Autos oder mit Kindern kann man dort sicher deutlich länger bleiben.

Das Miniatur Wunderland war wieder eine ganz andere Erfahrung. Wir hatten bewusst einen späten Zeitslot um 21 Uhr gewählt, weil wir dachten, dass es dann ruhiger sein würde. Tja. War es nicht.

Die Ausstellung selbst ist unglaublich detailreich. Man merkt wirklich, wie viel Arbeit, Können und Liebe darin steckt. Überall gibt es kleine Szenen, versteckte Details und Dinge, die man wahrscheinlich erst beim zweiten oder dritten Besuch entdeckt. Besonders gefreut habe ich mich über Asterix und Obelix. Auch die Schweiz fand ich sehr stark umgesetzt und die Züge, die sich immer wieder durch die Anlage bewegen, sind großartig gemacht.

Trotzdem konnte ich es nicht so genießen, wie ich es gerne getan hätte. Es war so voll, dass ich nach etwa 30 Minuten freiwillig beim Lift gewartet habe und meinen Mann allein weitergeschickt habe, damit er Fotos macht. Als Rollstuhlfahrerin ist eine volle Ausstellung einfach eine andere Erfahrung. Kinder laufen schnell und unvorhersehbar und wenn Erwachsene dann nicht wirklich aufpassen, wird es schwierig. Nicht, weil Kinder stören. Sondern weil ich mit dem Rollstuhl nicht einfach mal schnell ausweichen kann.

Die Barrierefreiheit an sich war gut. Das Personal war freundlich und hilfsbereit. Beim Eingang braucht man Unterstützung, weil ein Treppenlift vom Personal bedient wird, aber das war für mich kein Problem.

Mein Fazit: Das Miniatur Wunderland ist beeindruckend und sehenswert. Ich würde wiederkommen, aber nur zu einem Rollstuhl-Abend. Ich glaube, unter ruhigeren Bedingungen könnte ich es deutlich mehr genießen.

Ein schönes Treffen mit unseren Freunden in Wolfsburg gab es auch. Leider war es viel zu kurz, aber wir sehen uns bald wieder. Manchmal reicht schon das Wissen, dass ein Wiedersehen nicht ewig weit weg ist.

Und dann war da natürlich noch das Studium.

Im April kam die Note für Datenschutz und IT-Sicherheit: 2,0. Damit war die Zulassungsphase abgeschlossen. Die Studierfähigkeitsprüfung habe ich mit (2,3) bestanden, meine erste wissenschaftliche Arbeit mit 1,3 und diese Klausur nun mit 2,0.

Ich glaube, ich darf an dieser Stelle schon einmal kurz stehen bleiben und sagen: Das war kein schlechter Start.

Nicht perfekt, nicht mühelos, nicht nebenbei. Aber echt. Erarbeitet. Und genau deshalb bedeutet es mir etwas.

Gleichzeitig hat der April sehr deutlich gezeigt, dass Erfolg nicht automatisch mehr Energie bringt. Ich habe drei schriftliche Abgaben gemacht: Agiles Projektmanagement, Social Engineering und Insider Threats sowie Wahrscheinlichkeit und deskriptive Statistik. Drei Abgaben in einem Monat klingen auf dem Papier vielleicht strukturiert. In der Realität bedeutet es: lesen, denken, formulieren, prüfen, kürzen, wieder prüfen und irgendwann hoffen, dass der eigene Kopf nicht komplett aussteigt.

Ein Buch habe ich im April nicht fertig gelesen. Eine Biografie habe ich angefangen, bin aber nicht weit gekommen. Der Platz im Kopf war gerade von anderen Dingen besetzt. Quellen, Aufgabenstellungen, Abgaben, Deadlines, Formulierungen. Irgendwann ist auch der innere Speicher voll.

Vielleicht ist das eine der ehrlichsten Erkenntnisse aus diesem Monat: Ich kann viel leisten, aber nicht alles gleichzeitig gleich intensiv leben.

Der April war voll. Schön voll. Anstrengend voll. Manchmal auch einfach zu voll.

Er hatte Magie, Musik, Technik, Freundschaft, kaputte Autoteile, Zugfahrten, gute Noten, Abgaben und diese spezielle Mischung aus Stolz und Müdigkeit, die man schwer erklären kann, wenn man nicht gerade selbst mittendrin steckt.

Der Mai startet für mich übrigens direkt mit der Therme Erding. Ich darf bei einer Männerrunde mitfahren. Irgendwo zwischen 15 und 20 Männern, so genau weiß ich es selbst nicht. Sagen wir es so: Wenn ich nach diesem April noch nicht genug Belastungstest hatte, bekomme ich dort wahrscheinlich den sozialen Feinschliff.

Aber ehrlich: Ich freue mich darauf. Warmes Wasser, Tapetenwechsel, ein bisschen Abstand vom Alltag mit einem Buch. Nach diesem April klingt das ziemlich gut.

Wenn mir der April eines gezeigt hat, dann das: Man kann vieles durchziehen. Man kann improvisieren, weitermachen, lernen, schreiben, reisen und irgendwie Lösungen finden.

Aber irgendwann muss man auch aussteigen dürfen.

Aus dem Auto.
Aus dem Zug.
Aus dem Lernmodus.

Und im Mai offenbar mitten hinein in eine Männerrunde in der Therme Erding. 😁🙈💕

Hinterlasse einen Kommentar