Rezension: Owned by the Alphas

Magie mit Dauer-Rambazamba

  Autorin: Jen Cooper

  Reihe: Band 1

  Genre: Werwolf Fantasy, Paranormal Romance

  Umfang: 49 Kapitel

  Gelesen über: Galatea App

  Bewertung: ★★★ ☆☆

Die deutsche Fassung ist derzeit nur über die Galatea App verfügbar.

Owned by the Alphas ist eines dieser Bücher, bei denen man gleichzeitig weiterlesen und der Geschichte gelegentlich eine Hose reichen möchte.

Die Zutaten treffen ziemlich genau meinen Geschmack. Werwölfe, Vampire, Hexen, Schattenmagie, Flüche, alte Konflikte und eine Protagonistin, die nicht bei jedem dominanten Blick sämtliche Hirnfunktionen einstellt. Eigentlich beste Voraussetzungen für eine Geschichte, in der ich problemlos versinken könnte.

Und tatsächlich hat das Buch eine interessante Handlung. Sie muss nur regelmäßig draußen warten, während drinnen schon wieder Rambazamba veranstaltet wird.

Lorelai und ihre drei Alphas

Lorelai mochte ich von Anfang an. Sie ist spontan, direkt und schlagfertig. Sie lässt sich nicht alles gefallen und besitzt trotz allem, was ihr widerfährt, eine gewisse innere Stärke. Natürlich trifft auch sie gelegentlich Entscheidungen, bei denen der gesunde Menschenverstand offenbar kurz anderweitig beschäftigt war. Insgesamt empfand ich sie aber als sympathische und belastbare Protagonistin.

Besonders gut gefiel mir, dass die drei Alphas tatsächlich unterschiedliche Persönlichkeiten haben.

Kai ist impulsiv, temperamentvoll und vermutlich der dominanteste von ihnen. Brax begegnet Lorelai deutlich misstrauischer und ist schwerer zugänglich. Derik übernimmt eher den vernünftigen und älteren Gegenpol. Es sind also nicht einfach drei identische Muskelberge mit verschiedenen Frisuren, sondern Figuren mit eigenen Stärken, Schwächen und Reaktionen.

Auch die Namen fand ich angenehm. Sie sind leicht zu lesen, gut voneinander zu unterscheiden und bleiben im Gedächtnis. Das klingt vielleicht nebensächlich, ist bei englischsprachigen Fantasyromanen aber keineswegs selbstverständlich. Manche Figuren heißen schließlich so, als hätte jemand beim Tippen gleichzeitig geniest und anschließend noch drei Apostrophe ergänzt, damit es magischer aussieht.

Neben Lorelai mochte ich auch ihre schlagfertige Begleiterin, die ihr von den Wölfen zur Seite gestellt wird. Sie bringt Leichtigkeit in die Geschichte und begegnet Lorelai auf Augenhöhe. Von ihr hätte ich gerne noch mehr gelesen.

Zwischen Lorelai und den Alphas entwickeln sich im Laufe der Handlung durchaus echte Gefühle. Für mich besteht ihre Verbindung trotzdem ungefähr zu sechzig Prozent aus körperlicher Anziehung und zu vierzig Prozent aus Liebe, Vertrauen und emotionaler Nähe. Die Gefühle sind vorhanden, bekommen aber deutlich weniger Raum als die körperliche Beschäftigungstherapie.

Was mich dabei regelmäßig genervt hat, war das typische Motiv des angeblichen Beschützens durch Verschweigen.

Die Alphas wollen Lorelai schützen, erklären ihr aber gleichzeitig kaum, was tatsächlich geschieht. Sie lassen sie im Dunkeln, verschweigen Gefahren und wundern sich anschließend, wenn sie misstrauisch wird oder falsche Entscheidungen trifft.

Wer jemanden schützen will, sollte ihm Informationen geben. Nur wer weiß, was passiert, kann Gefahren einschätzen und sich darauf vorbereiten. Alles andere ist keine besonders romantische Fürsorge, sondern Kontrolle mit hübscher Verpackung.

Gerade bei Lorelai wirkt dieses Verhalten besonders widersprüchlich. Sie trägt starke Magie in sich und befindet sich mitten in einem Konflikt, dessen Regeln sie kaum kennt. Trotzdem soll sie offenbar stillhalten und darauf vertrauen, dass die Männer schon wissen, was gut für sie ist. Das passt weder zu ihrer Persönlichkeit noch zu ihrer Bedeutung für die Geschichte.

Viel Magie, noch zu wenig Welt

Der für mich interessanteste Teil des Buches war die magische Welt.

Die Werwölfe stehen klar im Mittelpunkt. Daneben gibt es Vampire, Hexen und Menschen, die unter unterschiedlichen Bedingungen leben. Manche Menschen befinden sich unter dem Schutz der Werwölfe. Die Vampire leben außerhalb ihrer Gebiete. Die Hexen scheinen eine neutrale Position einzunehmen. Dazu kommen Schatten, Flüche, besondere Verbindungen und familiäre Geheimnisse.

Das alles bietet genug Stoff für eine tiefere und komplexere Fantasywelt.

Leider bleibt die Geschichte dieser Welt bisher größtenteils im Hintergrund. Mich hätte interessiert, warum die einzelnen Gruppen voneinander getrennt leben. Was hat den früheren Konflikt ausgelöst? Weshalb werden bestimmte Menschen von den Werwölfen beschützt? Warum stehen die Hexen außerhalb des Konflikts? Welche Regeln gelten zwischen den Gruppen und wer hat diese Regeln überhaupt festgelegt?

Vieles wird angedeutet, aber noch zu wenig erklärt.

Der rote Faden ist vorhanden. Er bleibt nur stellenweise recht dünn und muss sich seine Aufmerksamkeit ständig mit anderen Aktivitäten teilen. Dabei liegt genau hier das eigentliche Suchtpotenzial des Buches. Die Schattenmagie, Lorelais Kräfte, ihr Bruder und Elias, die familiären Verbindungen und die Feindschaft zwischen den verschiedenen Gruppen haben mich deutlich stärker interessiert als die nächste nackte Begegnung.

Ich hoffe deshalb, dass die folgenden Bände mehr über die Vergangenheit dieser Welt erzählen. Die Grundlage ist vorhanden. Sie müsste nur ernst genug genommen werden, um nicht ständig vom nächsten Rambazamba verdrängt zu werden.

Wenn Rambazamba die Handlung verdrängt

Ich wusste vorher, dass Owned by the Alphas ausgesprochen spicy ist. Die erotischen Szenen waren daher keine überraschende Entdeckung nach dem Motto: Hoppla, warum sind hier plötzlich alle nackt?

Grundsätzlich stört mich Erotik in Büchern nicht. Sie kann Nähe schaffen, Machtverhältnisse verändern, Unsicherheiten zeigen oder eine Beziehung weiterentwickeln.

Nur sollte sie etwas bewirken.

Wenn ähnliche Szenen immer wieder auftreten, verlieren sie irgendwann ihre Wirkung. In diesem Buch gab es Kapitel, in denen bereits mit allen drei Alphas ausführlich Rambazamba veranstaltet wurde und kurz darauf noch eine weitere Runde mit einem einzelnen Alpha folgte.

Irgendwann wirkt das nicht mehr leidenschaftlich, sondern organisatorisch bemerkenswert gut durchgetaktet.

Es sind drei Alphas vorhanden. Offenbar darf deshalb niemand zu kurz kommen. Nicht einmal dann, wenn die Handlung eigentlich gerade etwas Wichtiges zu erzählen hätte.

Das Problem ist für mich also nicht, dass es erotische Szenen gibt. Das Problem ist ihre Häufigkeit. Sie unterbrechen die eigentliche Geschichte so regelmäßig, dass man gelegentlich beinahe vergisst, dass im Hintergrund ein Konflikt mit Magie, Feindschaften und realen Gefahren existiert.

Der rote Faden ist vorhanden. Man muss ihn nur zwischen den herumliegenden Kleidungsstücken finden.

Mit weniger Wiederholungen hätten einzelne Szenen deutlich mehr Wirkung entfalten können. Gleichzeitig hätte die Fantasyhandlung mehr Raum bekommen. So entsteht manchmal der Eindruck, dass eine interessante Geschichte absichtlich klein gehalten wird, weil das Buch lieber noch einmal beweisen möchte, wie ausdauernd alle Beteiligten sind.

Fazit

Die deutsche Fassung ließ sich flüssig und unkompliziert lesen. Ich kam schnell durch die Kapitel und hatte keine Probleme, der Handlung zu folgen. Auch die Namen der Figuren und die Sprache wirkten angenehm zugänglich.

Ob die Übersetzung dem englischen Original genau entspricht, kann ich ohne direkten Vergleich nicht beurteilen. Als deutschsprachiger Text funktionierte sie für mich jedoch gut.

Ungewöhnlich war lediglich meine Lesezeit. Ich habe ungefähr neunzehn Tage für die 49 Kapitel gebraucht. Normalerweise lese ich ein Buch innerhalb von zwei oder drei Tagen, manchmal auch an einem einzigen Tag.

Der Grund war nicht das Buch, sondern die Galatea App. Dort konnte ich täglich meist nur zwei oder drei Kapitel lesen. Wer gerade im Lesefluss ist, wird also freundlich daran erinnert, diesen bitte einzustellen und am nächsten Tag erneut zu erscheinen.

Über dieses System habe ich bereits an anderer Stelle ausführlich geschrieben. Für die Bewertung des Buches selbst ist allerdings entscheidend, dass ich trotz dieser Begrenzung jeden Tag zurückgekehrt bin. Ich wollte wissen, wie es weitergeht.

Das spricht für die Geschichte.

Auch das Ende hat bei mir funktioniert. Ich bevorzuge normalerweise Einzelbände, weil Reihen schnell das Gefühl erzeugen, man müsse weiterlesen, nur weil ein Buch beschlossen hat, mitten im Konflikt aufzuhören. Der Cliffhanger von Owned by the Alphas macht jedoch tatsächlich neugierig auf die Fortsetzung.

Mehr möchte ich darüber nicht verraten.

Nur so viel: Band zwei werde ich lesen. Trotz des vermutlich erneut umfangreichen Rambazambas.

Owned by the Alphas ist kein schlechtes Buch. Im Gegenteil. Die Geschichte ist spannend, Lorelai ist eine starke Protagonistin und die drei Alphas besitzen erfreulicherweise eigene Persönlichkeiten. Die magische Welt hat echtes Suchtpotenzial und bietet viele offene Fragen, deren Antworten mich interessieren.

Das Buch steht sich nur regelmäßig selbst im Weg.

Weniger erotische Wiederholungen hätten der Handlung mehr Raum gegeben. Mehr Hintergrundwissen hätte aus einer guten Grundidee eine wesentlich stärkere Fantasygeschichte machen können. Auch das ständige Verschweigen wichtiger Informationen wirkt weniger wie glaubwürdiger Schutz und mehr wie ein bequemer Weg, zusätzliche Konflikte zu erzeugen.

Wer Werwolf Fantasy, Reverse Harem Geschichten und sehr explizite Szenen mag, dürfte hier gut aufgehoben sein. Wer vor allem eine tief ausgearbeitete magische Welt sucht, muss zumindest im ersten Band noch mit einigen offenen Fragen leben.

Die Geschichte hat mich dennoch gepackt.

Nicht wegen des permanenten Rambazambas, sondern trotz des permanenten Rambazambas.

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