
Titel: … und war tot.
Autorin: Arne M. Boehler
Verlag: via tolino media (2025)
Genre: Psychologischer Thriller / Gesellschaftsthriller / Realismusdrama
Seitenzahl: 328
ISBN-13/ASIN: 978-3819454899
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐
REZENSIONSEXEMPLAR VON LOVELYBOOKS, Taschenbuch
Was passiert, wenn Systeme versagen und Menschen wegsehen?
Und war tot von Arne M. Boehler stellt diese Frage auf eine Weise, die schmerzlich echt wirkt – ohne Pathos, aber mit Nachdruck.
Ich hatte das große Glück, die limitierte schwarze Edition zu bekommen – ein Exemplar, das schon beim Aufschlagen eine besondere Atmosphäre ausstrahlt. Dunkel, edel, fast ehrfürchtig. Und genau so liest es sich auch.
Ich gestehe: Ich habe Band 1 nicht gelesen. Doch das war kein Hindernis. Im Gegenteil – ich habe mich völlig unvoreingenommen in diese Welt hineingezogen gefühlt. Eine Welt, die nicht weit von unserer eigenen entfernt scheint. Eine Welt, in der Menschen weggesehen haben, wo sie hätten handeln müssen.
Arne M. Boehler schreibt mit einer Präzision, die mich tief beeindruckt hat. Kein Wort ist zufällig, keine Szene überflüssig.
Er seziert menschliche Abgründe so fein, dass man unwillkürlich innehält und sich fragt: Wie viel davon könnte wirklich passieren?
Was mich am meisten fasziniert hat, ist diese psychologische Dichte.
Man hat nicht das Gefühl, von außen auf eine Handlung zu blicken – man steht mitten im Raum, sieht die Schatten an den Wänden, hört die Schritte in der Dunkelheit.
Es ist kein simpler Thriller, sondern eine leise, kluge und beunruhigende Studie über Macht, Schuld und die Zerbrechlichkeit moralischer Systeme.
Iska – eine Figur, die mich von Anfang an berührt hat – verkörpert diesen inneren Konflikt perfekt.
Ein Mädchen, das viel zu früh zu viel gesehen hat und trotzdem an das Gute glaubt.
Sie ist traumatisiert, aber nicht gebrochen; verletzt, aber nicht leer.
In ihrer Verletzlichkeit liegt Stärke – und in ihrem Schweigen eine Wahrheit, die lauter wirkt als jedes Geschrei.
Boehler schafft es, den Leser in ein Spannungsfeld zu ziehen, das weit über die klassische Täterfrage hinausgeht.
Denn das wahre Grauen liegt hier nicht im Blut, sondern in der Gleichgültigkeit.
In den Strukturen, die solche Taten möglich machen.
In den Menschen, die wissen, dass etwas falsch läuft – und trotzdem nichts sagen.
Ich habe während des Lesens mitgedacht, mitgerätselt, mich in falschen Fährten verloren – und am Ende doch überrascht innegehalten.
Nie hätte ich mit dieser Wendung gerechnet. Nie mit dieser Person.
Und genau das ist es, was ich an Arne M. Boehlers Schreibweise so schätze: Er traut seinem Publikum zu, klug zu lesen.
Und war tot ist kein Buch für zwischendurch. Es ist eines, das nachhallt, weil es uns zwingt, hinzusehen.
Dorthin, wo man normalerweise wegsehen würde.
Ich freue mich jetzt schon darauf, Band 1 nachzuholen – nicht, weil mir etwas gefehlt hat, sondern weil ich mehr von diesem Stil lesen möchte.
Von dieser Sprache, die nüchtern und doch poetisch ist.
Von diesem Autor, der es versteht, Spannung mit Intellekt zu verbinden.
Für mich ist Und war tot ein Meisterstück moderner Thrillerkunst – psychologisch klug, gesellschaftlich relevant und literarisch überzeugend.
Fünf Sterne – weil alles darunter dem Buch nicht gerecht werden würde.
Hier findest du das Buch:
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