
Titel: The Evergreen’s Lament
Autorin: Kimberley Weinz
Verlag: tredition (2025)
Genre: Romantasy mit mythologischen Elementen
Seitenzahl: 360
Lesedauer: 5 Stunden 51 Minuten
ISBN-13/ASIN: 978-3982709802
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
REZENSIONSEXEMPLAR VON LOVELYBOOKS, eBook
Zwischen Eibe und Entscheidung – eine Lektüre
Dieses Buch hat mich von Anfang bis Ende begleitet wie ein dunkler Strom, der immer wieder Tiefe, aber auch Leerlauf offenbart. Es beginnt mit einem Prolog, der mich mit brutaler Klarheit getroffen hat: die Frage nach verpasstem Leben, nach Fremdbestimmung und nach dem, was am Ende bleibt. Es endet mit einem Epilog, der von Trauer, Verlust und einem leisen Hoffnungsfunken geprägt ist. Dazwischen entfaltet sich eine Geschichte, die von Wiederholungen lebt – vom Sterben, Wiederkommen und Lernen. Ein Kreislauf, der so lange fortgesetzt wird, bis die Figuren zu einer Entscheidung fähig sind.
Athanasia musste zunächst zerbrechen, um überhaupt wachsen zu können. Ihre Entwicklung ist kein einfacher Weg hin zu Stärke, sondern ein Prozess, in dem Naivität, Angst und Schmerz Platz haben. Erst dadurch wird ihr Wählen am Ende glaubwürdig. Adrian wiederum ist geprägt von Wut und Verlust. Er trägt das Trauma seiner zerstörten Familie in sich und hat daraus die Härte eines Jägers entwickelt. Doch an Athanasias Seite erkennt er, dass Liebe kein Besitz ist, sondern eine Entscheidung, bei einem Menschen zu bleiben – ihn festzuhalten, gerade dann, wenn er schwankt. Im Epilog tritt dies mit voller Wucht zutage: erstmals aus Adrians Sicht, entblößt, ehrlich, ungeschönt.
Die Symbolik ist dabei nicht bloße Verzierung, sondern das eigentliche Tragwerk. Die Eibe als Baum der Wiederkehr und des Totengedenkens ist das Zentrum. Sie steht für das Fortbestehen von Erinnerung, für das Unausweichliche und für die Möglichkeit von Wiedergeburt. Das im Text eingearbeitete Gedicht fragt: „Verwehre das Geschenk, doch stillt es dein Verlangen?“ – und genau darin steckt der Schlüssel. Das Geschenk ist der Fluch, der schützt, aber nicht erlöst. Das Verlangen ist weniger die Sehnsucht nach Unsterblichkeit als nach Liebe und Gesehenwerden. Morvana, die Göttin, ist in diesem Spiel sowohl Gegenspielerin als auch Prüfungsinstanz. Grausam gegenüber Adrian, dessen Schuld nicht von der Hand zu weisen ist, und notwendig für Athanasia, weil sie ihren Weg finden musste.
Besonders hervorheben möchte ich den Umgang mit Nähe und Gewalt. Sexualisierte Gewalt wird klar benannt, nicht romantisiert. Umso stärker wirken die Szenen, in denen Athanasia und Adrian einander wirklich nahekommen – respektvoll, auf Augenhöhe, im Einverständnis. Das „Spice“ ist nicht Staffage, sondern ein heilendes Gegenbild. Es zeigt, dass Intimität nur dann Bedeutung hat, wenn sie freiwillig geschieht.
Natürlich gibt es auch Schwächen. Das erste Zweidrittel des Buches verharrt stellenweise in Wiederholungen, Konflikte kreisen, ohne dass die Geschichte wirklich voranschreitet. Weltbausteine wie Göttin, Orden und Tempel bleiben eher Fragment als vollständiges Panorama. Wer permanente Spannung oder große Twists erwartet, wird hier eher ungeduldig. Doch die letzten Kapitel haben für mich das Gewicht verschoben: Die körperliche und emotionale Annäherung zwischen Athanasia und Adrian, die Entscheidungsmomente im Angesicht Morvanas, und schließlich der Epilog, der eine Tiefe erreicht, die lange nachklingt.
Für mich bleibt als Botschaft: Man muss erst zerbrechen, um wachsen zu können. Liebe ist kein Geschenk, das zufällt, sondern eine Entscheidung, die man trifft – und ein Fluch ist letztlich nur der Spiegel der eigenen Sehnsucht. Dass am Ende ein offenes Ende steht, ist kein Mangel, sondern eine Qualität. Denn es bleibt die Ahnung, dass Athanasia nicht verschwunden ist, sondern wiederkehren kann.
Mein Weg mit diesem Buch führte mich von drei auf vier Sterne. Nicht, weil es fehlerlos wäre, sondern weil es im Ziel anzieht, was es unterwegs manchmal verliert. Der Prolog und der Epilog rahmen die Geschichte mit einer emotionalen Kraft, die man nicht vergisst. Und so bleibt dieses Buch für mich ein dunkel-poetisches Märchen über Opfer, Wahl und Liebe – schwer, schmerzhaft, aber im Kern ehrlich.
Hier findest du das Buch:
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