Rezension: Secret Gods 1 – Die Prüfung der Erben

Titel: Secret Gods 1 – Die Prüfung der Erben
Autorin: Isabel Kritzer
Verlag: Loomlight (2022)
Genre: leichte Jugend-Fantasy mit dezentem Romantik-Anteil
Seitenzahl: 432
Lesedauer: 7 Stunden 00 Minuten
ISBN-13: 978-3522507943
Bewertung: ⭐⭐⭐☆☆
Gelesen über: Tolino (selber gekauft)

Die Idee von Secret Gods klingt nach einem großen, epischen Wurf: Mermaids, Djinn, ein uraltes Orakel, das Auge der Wahrheit, Prüfungen um Leben und Tod, ein Erwachen des Meeres. Alles Zutaten, die eine gewaltige Bühne für Intrigen, Machtkämpfe und tiefe Charakterentwicklungen bieten könnten. Doch was sich in der Theorie wie ein starker Romantasy-Roman anhört, bleibt in der Praxis oft zu flach.

Die Sprache ist zweifellos eine der Stärken. Bildhaft, leicht lesbar, voller visueller Eindrücke – das Buch malt Szenen, die sich mühelos vor Augen entfalten. Man „sieht“ das grüne Wasser, man „fühlt“ den Sand unter den Füßen, und genau das hält den Lesefluss angenehm. Es ist eine Sprache, die trägt, auch wenn die Handlung nicht immer dieselbe Wucht hat.

Die Handlung selbst wirkt über lange Strecken eher wie ein Ferienroman mit ein paar Fantasy-Einschüben. Die Mermaid-Mafia, die als spannendes und ungewöhnliches Element angekündigt wird, bleibt merkwürdig im Hintergrund. Intrigen, Machtspiele oder bedrohliche Familienkonflikte hätten dem Plot Gewicht gegeben, doch stattdessen stehen sommerliche Alltagsmomente im Vordergrund. Die Prüfungen, die eigentlich Spannung versprechen sollten, wiederholen sich zu sehr und lassen dadurch keine echte Dramatik entstehen. So fehlt es an Eskalation, an dem Sog, der den Leser zwingt, weiterzublättern.

Auch die Figuren bleiben weitgehend an der Oberfläche. Cassidy, Liam, Gwen, Christos – sie alle hätten mehr Tiefe, mehr innere Widersprüche, mehr Reibung gebraucht. Ansätze sind da: die Kälte der Mutter Eden, Liams geheimnisvolle Herkunft, Gwens unerwartete Verwandlung. Doch all diese Linien werden nur angerissen und nicht wirklich durchlebt. Besonders die angedeutete Feindschaft zwischen Mermaids und Djinn wirkt konstruiert, weil die Anziehung zwischen Cassidy und Liam von Beginn an dominiert. Das, was als „Enemies to Lovers“ beschrieben wird, bleibt so im Kern eher „Lovers mit Ausreden“.

Die romantischen Elemente sind dezent – fast zu dezent für ein Werk, das als Romantasy vermarktet wird. Wer ein langsames Knistern mag, wird es finden, wer jedoch tiefe, konfliktreiche oder leidenschaftliche Entwicklungen erwartet, wird kaum erfüllt. Positiv ist, dass die Beziehung glaubhaft wirkt, nicht überzeichnet, sondern leise und realistisch. Doch gerade für ein Genre, das Emotion und Spannung vereinen sollte, reicht das nicht aus.

Spannend war dagegen der Anhang, die „Geschichte der Djinn“. Fantasievoll, mutig in seiner Reichweite – er spannt den Bogen von der Entstehung der Erde über Urwesen bis hin zu Djinn, Mermaids und Vampiren. Ein Stück Mythenarchitektur, das tiefer geht als vieles, was zuvor erzählt wurde. Als Prolog hätte dieser Text die ganze Welt sofort gewichtiger und faszinierender erscheinen lassen. So wirkt er am Ende wie ein Versprechen: da steckt mehr drin.

Das Ende selbst – der abrupte Cliffhanger – hat mich weniger überzeugt. Im echten Leben spüren Tiere und besonders Meereswesen Naturgewalten, lange bevor sie eintreffen. Dass Figuren wie Christos oder Cassidy das nicht bemerken, bricht ein wenig die innere Logik. Auch hier spürt man, dass der Spannungsbogen nicht organisch aufgebaut, sondern eher gesetzt ist.

Fazit: Secret Gods ist der Auftakt einer Dilogie. Ein Auftakt, der mit bildhafter Sprache und kreativer Mythenidee glänzt, aber insgesamt zu wenig Tiefe in Handlung und Figuren entwickelt. Es ist solide Unterhaltung, die Lust macht auf mehr, aber sie schöpft ihr eigenes Potenzial nicht aus. Drei Sterne, wohlwollend gegeben, mit der Hoffnung, dass Band 2 die Fäden klüger zusammenführt und das Gewicht liefert, das Band 1 vermissen lässt. Ich werde die Reihe dennoch weiterlesen – wenn ich einmal beginne, bleibe ich bis zum Ende dabei.

Hier findest du das Buch:

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