Rezension: Phantasma – Spiel um dein Leben, fürchte die Liebe

Titel: Phantasma – Spiel um dein Leben, fürchte die Liebe
Autorin: Kaylie Smith
Verlag: Aufbau TB (2025)
Genre: Romantasy / Paranormal Romance
Seitenzahl: 526
ISBN-13: 978-3746642000
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
Gelesen über: selber gekauft bei Thalia

Dieses Buch hat mich sofort mit etwas überrascht, das viel zu selten selbstverständlich ist: mit klaren Triggerwarnungen gleich zu Beginn. Für mich ist das ein Zeichen von Respekt gegenüber den Leser*innen, besonders, wenn eine Protagonistin mit Ängsten, Zwängen und Tics lebt. Ich selbst habe solche Tics nicht, aber ich weiß, dass es Menschen gibt, die genau mit solchen inneren Mechanismen kämpfen. Allein dieses Detail zeigt schon, dass die Autorin die psychologische Ebene ernst nimmt und das spürt man durch das ganze Buch.

Am stärksten berührt hat mich Ophelias Entwicklung. Sie beginnt als junge Frau, die fast zerbrechlich wirkt, unsicher in sich selbst, gezeichnet von Erwartungen, Verantwortung und inneren Stimmen, die sie zermürben könnten. Und doch wächst sie an all dem. Schritt für Schritt, Entscheidung für Entscheidung. Sobald die Prüfungen in Phantasma beginnen, verändert sie sich – nicht weil sie plötzlich mutig wird, sondern weil die Welt sie zwingt, sich selbst zu erkennen. Manche ihrer Entscheidungen tragen Gewicht, das man nicht einfach wegliest. Sie entscheidet zweimal bewusst, jemanden zu töten. Das ist nichts, was man abtut oder romantisiert. Es macht etwas mit einem Menschen, und genau diese psychologische Konsequenz fand ich unglaublich gelungen umgesetzt.

Blackwell ist in dieser Geschichte ein besonderer Gegenpol. Dunkel, faszinierend, nicht einordbar, aber nie flach. Seine Anziehungskraft entsteht nicht aus typischen Klischees, sondern aus Ambivalenz. Er ist gefährlich, aber nicht unnahbar. Er spielt mit Macht, aber er überschattet Ophelia nicht; er zwingt sie, sich selbst zu sehen. Zwischen den beiden entsteht eine Spannung, die nicht in erster Linie romantisch ist, sondern viel tiefer wirkt: wie zwei Seelen, die sich gegenseitig aus der Reserve locken. Körperliche Anziehung ist da, ja, aber Liebe? Das ist ein Weg, kein Zustand. Und genau das macht die Dynamik glaubwürdig.

Die Welt selbst hat eine düstere Faszination. Sie ist kalt, herausfordernd, manchmal grausam und doch voller kleiner, leiser Wärme. Ein teuflischer Wächter mit mehr Herz, als man erwartet hätte, und ein Kater mit bemerkenswerter Persönlichkeit haben mich oft schmunzeln lassen. Solche Figuren machen die Geschichte runder, menschlicher, lebendiger.

Nicht alles war perfekt. Manche Abläufe wurden vorhersehbar, vor allem die wiederkehrende Struktur zwischen Prüfungen und körperlicher Entladung. Auch das Zeitsetting bleibt bis zum Schluss unklar. Aber das schmälert die Erfahrung nicht wesentlich. Die Atmosphäre bleibt intensiv, der Schreibstil flüssig und die emotionale Spannung hält sich erstaunlich gut durch.

Der stärkste Moment des Buches hat mich richtig getroffen – ein Augenblick, in dem Ophelia eine Entscheidung trifft, die man als Leser*in fast körperlich spürt. Eine Entscheidung, die Mut verlangt, Opfer, Vertrauen und die Bereitschaft, sich selbst komplett neu zu definieren. Das Buch zeigt sehr deutlich, dass Stärke nichts mit Unfehlbarkeit zu tun hat, sondern mit dem Preis, den man bereit ist zu zahlen.

Da es sich um Teil 1 einer Duologie handelt, ist die Geschichte nicht endgültig abgeschlossen. Aber für mich war der Abschluss dieses Bandes rund, emotional stimmig und genau richtig dosiert, um mich auf Teil 2 vorzubereiten.

Am Ende blieb dieses Gefühl: dass Dunkelheit und Hoffnung manchmal näher beieinander liegen, als man denkt.
Und dass Charakterentwicklung – echte, ehrliche – ein ganz eigener Zauber ist.

Für mich ist dieses Buch ein unerwartet tiefes, dunkles und berührendes Leseerlebnis.

Hier findest du das Buch:

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