
Titel: Nur noch ein einziges Mal
Autorin: Colleen Hover
Verlag: dtv (2022)
Genre: New Adult, Liebesroman, Drama
Seitenzahl: 416
Lesedauer: 7 Stunden 43 Minuten
ISBN-13: 978-3423283434
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐
Gelesen über: Onleihe (Bibliothek)
Nur noch ein einziges Mal – eine literarische Auseinandersetzung mit der Kraft des Neins
„Manchmal bedeutet das mutigste, was man tun kann, einfach wegzugehen.“
Colleen Hoovers Roman „Nur noch ein einziges Mal“ ist mehr als eine Liebesgeschichte. Es ist ein Spiegel. Ein Weckruf. Und ein zutiefst persönliches Plädoyer für Selbstachtung, Grenzen und die Unverhandelbarkeit von Würde.
Lily, die Protagonistin, beginnt mit einer Vision – einem Leben, das besser sein soll als das ihrer Mutter. Ein Leben ohne Gewalt, ohne Angst, ohne das lähmende Gefühl, nicht genug zu sein. Doch was sich anfangs wie ein Aufbruch in eine moderne Romanze anfühlt, entwickelt sich schleichend zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Dynamiken toxischer Beziehungen.
Was Colleen Hoover hier auf bemerkenswerte Weise gelingt, ist eine erzählerische Gratwanderung: Sie entzieht sich jeder Schwarz-Weiß-Malerei. Ryle, der Täter, wird nicht als eindimensionales Monster gezeichnet. Vielmehr zeigt sich, wie gefährlich Liebe werden kann, wenn sie von unaufgearbeiteten Traumata, von Impulskontrollverlust und emotionalem Machtmissbrauch durchdrungen ist. Doch die Autorin verliert nie aus dem Blick: Gewalt bleibt Gewalt. Punkt.
Ich habe beim Lesen sehr oft innegehalten. Nicht nur wegen der Intensität der Handlung – sondern auch, weil ich mich selbst, meine Vergangenheit, meine eigene Entwicklung darin gespiegelt fand. Lily steht für so viele Frauen. Für so viele Geschichten, die im Verborgenen stattfinden, weil Scham, Angst oder emotionale Abhängigkeit das Sprechen unmöglich machen.
Was mich tief beeindruckt hat, ist die Entwicklung Lilys. Sie bleibt nicht Opfer, sondern wird zur Akteurin. Ihre Entscheidung, nicht zu bleiben, ist kein Akt der Flucht – sondern der Befreiung. In dieser Entscheidung liegt eine stille, gewaltige Kraft. Und sie tut es nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Tochter. Sie durchbricht den Kreislauf. Sie setzt ein Zeichen.
Der Roman verhandelt auf vielschichtige Weise, wie schwer es ist, eine Grenze zu ziehen – besonders, wenn Liebe im Spiel ist. Aber er zeigt auch: Man kann lieben und trotzdem gehen. Man kann verstehen und sich dennoch distanzieren. Man kann Mitgefühl haben, ohne sich selbst zu opfern.
Das Nachwort hat mir endgültig die Tränen in die Augen getrieben. Colleen Hoover spricht hier nicht über irgendeine Idee, sondern über ihre eigene Lebensrealität – oder vielmehr die ihrer Mutter. Und plötzlich begreift man: Diese Geschichte ist nicht bloß Literatur. Sie ist ein Stück gelebte Geschichte. Und sie ist vor allem eines – notwendig.
Mein Fazit:
Dieses Buch ist unbequem, ehrlich und erschütternd – aber genau deshalb so wertvoll. Es schenkt Mut. Es spricht Wahrheiten aus, die oft totgeschwiegen werden. Und es erinnert uns daran: Selbstliebe beginnt mit dem ersten Nein.
Hier findest du das Buch:
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