
Titel: My Blade, Your Back
Autorin: K M Moronova
Verlag: Blush Blanvalet (2025)
Genre: Dark Romance
Seitenzahl: 496
ISBN-13/ASIN: 978-3641339401
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
Selber gekauft, ebook
Ich hab dieses Buch zugemacht und hatte dieses ganz spezielle Gefühl: Nicht „wow, ich bin jetzt geheilt“, sondern eher „wow, ich wurde gerade elegant durch den Fleischwolf gedreht und hab dabei trotzdem weitergeblättert“. Genau diese Mischung aus Sog, Dunkelheit und unterschwelliger Traurigkeit kann die Reihe einfach gut.
Worum es sich für mich im Kern dreht, ist nicht nur ein Einsatz, nicht nur eine Einheit, nicht nur ein „Wer ist der Maulwurf?“. Es ist diese eine Frage, die sich durch alles frisst: Was bleibt von dir übrig, wenn ein System dich zur Waffe erzieht und du trotzdem (oder gerade deshalb) noch fühlst? Emery steht da wie ein Puzzle, bei dem die Teile zwar existieren, aber nicht dort liegen, wo sie hingehören. Erinnerungen kommen in Blitzlichtern, als Körpergefühl, als Ahnung, als Schmerz, der keinen Namen hat. Und das macht sie als Figur interessant: Sie ist nicht die glänzende „starke Heldin“, die eh alles kann. Sie ist hart, ja. Manchmal auch naiv, aber nicht dumm. Eher so: Sie weiß, dass sie in einem Käfig steht, nur nicht, wer gerade den Schlüssel in der Hand hält.
Und dann ist da Cameron/Mori. Ich sag’s, wie’s ist: Die Tragik zwischen den beiden funktioniert, weil sie nicht geschniegelt-romantisch daherkommt, sondern gefährlich. Da ist kein „Oh, wie süß“, da ist „Oh… das wird wehtun.“ Man spürt zwischen den Zeilen Schuld, Zärtlichkeit, Kontrolle, Selbsthass, Beschützen-wollen und gleichzeitig dieses fiese „Wenn ich dir die Wahrheit sage, verliere ich dich vielleicht endgültig“. Nähe wird hier nicht als Geschenk erzählt, sondern als Risiko. Und das ist für mich die stärkste Qualität des Buches: Gefühle sind nicht Deko, sie sind Angriffspunkte. Liebe ist nicht Rettung, sondern etwas, das dich in dieser Welt angreifbar macht.
Was mir außerdem gefallen hat: Dieses ständige Spiel mit Loyalität. Familie ist hier nicht automatisch Wärme, sondern Struktur, Befehl, Anspruch. Und eine Einheit kann gleichzeitig „eingeschworene Familie“ sein und doch eine Maschinerie, die dich schluckt, wenn du nicht funktionierst. Das Buch zeigt ziemlich gnadenlos, wie schnell „Zugehörigkeit“ kippen kann: in Besitz, in Zweckgemeinschaft, in „Du bist nützlich, also bleibst du“. Genau da sitzen für mich die interessanten Fragen zwischen den Szenen: Wer schützt Emery wirklich und wer schützt nur seine Version von ihr? Wer will ihre Wahrheit und wer will nur, dass sie in eine Rolle passt?
Auch die Antagonisten-/Machtstruktur hat diesen unangenehmen Reiz: Es gibt nicht den einen Bösewicht, der geschniegelt böse lacht und fertig. Es gibt Macht als Netzwerk. Als System. Als etwas, das seit Jahren „sein Unwesen treibt“, weil es nicht an einer Person hängt, sondern an Positionen, Abhängigkeiten, Geheimnissen. Nolan wirkt für mich wie so ein Fixstern der Bedrohung: Selbst wenn andere Gegenspieler auftauchen, bleibt dieses Gefühl, dass er als Spitze eines größeren Konstrukts nicht einfach verschwindet. (Und ja: Ich hatte dabei mehrmals dieses „Da läuft im Hintergrund noch was“-Gänsehautgefühl.)
Jetzt die ehrliche Stelle, weil wir hier nicht zum Schönreden sind: Für 5 Sterne hat mir „das letzte Quäntchen“ gefehlt. Spannung war da, die Dynamik war da, die Atmosphäre war da, aber es war nicht dieses seltene „mir entgleitet ein Tränchen und ich liege drei Tage emotional im Koma“-Level. Ich hatte eher ein konstantes „sehr gut“ statt „ich werde gerade literarisch entführt“.
Ein Teil davon liegt vermutlich auch an mir: Ich habe unabsichtlich Band 3 vor Band 2 gelesen. Man kann das Buch trotzdem lesen und verstehen, weil es eigenständig genug ist, aber an ein paar Stellen hatte ich das Gefühl, dass mir ein emotionaler Unterbau fehlt. Nicht, weil es schlecht erklärt wäre, sondern weil bestimmte Hintergründe (Emerys Vorgeschichte, die Tiefe der gemeinsamen Vergangenheit, einzelne Details rund um das „Unter“ und die Experimente) vermutlich in der richtigen Reihenfolge noch härter einschlagen. Das ist kein Vorwurf ans Buch, eher ein „Okay Eve, beim nächsten Mal bitte kurz die Reihenfolge checken, bevor du dich wunderst, warum dein Kopf nach Kontext schreit.“
Und dann noch etwas Kleines, aber für mich spürbar: Bei manchen intimen Szenen hätte ich mir eine Spur mehr Atmosphäre und weniger Direktheit in der Wortwahl gewünscht. Ich mag Spice, wirklich. Aber wenn die Sprache zu technisch oder zu platt wird, reißt es mich kurz aus der Stimmung. Das ist Geschmackssache und kein Grund, das Buch abzuwerten, nur ein Punkt, der den „Wow“-Moment bei mir nicht vollendet hat.
Triggerwarnung: Es ist eine dunkle Geschichte mit harten Themen, Gewalt und psychischem Druck. Wer bei Machtmissbrauch, Manipulation und brutalen Settings empfindlich ist, sollte vorab wirklich auf die Triggerwarnungen achten.
Unterm Strich: Ein gutes Buch. Kein perfektes. Aber eines, das genau weiß, wie man Spannung, Grauzonen und tragische Nähe so kombiniert, dass man weiterliest, obwohl man innerlich schon ahnt, dass das nicht sanft ausgehen wird. 4 Sterne von mir und ja, ich hole Band 2 nach. Nicht, weil ich muss. Sondern weil ich dieses Puzzle jetzt gefälligst vollständig sehen will.
Hier findest du das Buch:
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