
Titel: It starts with us – Nur noch einmal und für immer
Autorin: Colleen Hoover
Verlag: dtv (2023)
Genre: New Adult, Liebesroman, Drama
Seitenzahl: 400
Lesedauer: 5 Stunden 51 Minuten
ISBN-13: 978-3423218849
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
Gelesen über: Onleihe (Bibliothek)
Es gibt Geschichten, die laut sind – aufwühlend, dramatisch, schmerzhaft grell. Und dann gibt es Geschichten wie diese: leise, nachdenklich, voller Schatten und leiser Sonnenstrahlen. „It starts with us – Nur noch einmal und für immer“ ist keine Fortsetzung im klassischen Sinne. Es ist eine stille Reflexion, ein Nachhall der Katastrophe, ein Weg durch die Trümmer, den man nicht einfach überspringen kann – auch wenn man als Leser vielleicht genau das will.
Colleen Hoover greift in diesem Roman das auf, was Leserinnen und Leser sich nach „Nur noch ein einziges Mal“ so sehnlich gewünscht haben: mehr Lily, mehr Atlas – aber auch mehr Antworten. Was passiert nach dem Bruch mit einem gewalttätigen Partner? Wie lebt man weiter, wenn man überlebt hat? Und was bedeutet Liebe, wenn sie nicht mehr nur ein Gefühl ist, sondern Verantwortung?
Hoover schreibt keine Heldenreise. Sie beschreibt einen inneren Weg. Lily ist nicht mehr das Mädchen, das mit Ryle flirtete und an große Gefühle glaubte. Sie ist Mutter geworden, erschöpft, aber nicht gebrochen. Sie lernt, dass Grenzen nicht nur gesetzt, sondern auch verteidigt werden müssen – jeden einzelnen Tag, besonders, wenn der Gegenüber nicht aufhört, übergriffig zu sein. Die Szene, in der sie – unterstützt von Alyssia und Marshall – Ryle konfrontiert, ist keine große Abrechnung, sondern ein symbolischer Moment. Es ist der Augenblick, in dem Lily ihre Geschichte neu schreibt. Endlich.
Atlas hingegen bekommt mehr Raum in diesem zweiten Band. Und was Hoover mit seiner Figur macht, ist bemerkenswert. Atlas ist keine romantische Projektion. Er ist tief, geerdet, klug und dabei leise. In seiner Sorge um seinen kleinen Bruder Josh wird klar, was für ein Mensch er geworden ist – trotz, oder vielleicht gerade wegen seiner eigenen Verletzungen. Er schützt, aber er klammert nicht. Er liebt, aber er verlangt nichts. Es ist diese stille Form der Männlichkeit, die so selten ist in der Literatur – verletzlich, aber nicht schwach. Stark, aber niemals bedrohlich.
Josh selbst ist eine Figur, die in ihrer Kindlichkeit so echt wirkt, dass es schmerzt. Seine Sehnsucht nach einem Vater, seine Naivität im Umgang mit den Erwachsenen, seine vorsichtigen Annäherungen an Lily – all das zeugt von einem Jungen, der mehr gesehen hat, als er tragen sollte. Atlas’ Versuch, ihn vor weiteren seelischen Narben zu bewahren, wird nie pathetisch dargestellt. Vielmehr spürt man: Hier ringt ein Erwachsener nicht um Macht, sondern um Menschlichkeit.
Und dann ist da noch der Stil. Hoover bleibt einfach, aber nie banal. Sie reduziert, um zu verdichten. Es gibt keine ausufernden Monologe, keine künstlichen Dramen. Stattdessen legt sie den Finger genau dorthin, wo es weh tut – an die Bruchstellen der Seele. Gerade weil dieser Band weniger „elektrisiert“ als der erste, wirkt er so authentisch. Es ist ein Buch über das Danach. Über das Aufstehen. Über das Schweigen, das manchmal lauter ist als jeder Schrei.
Nicht jeder Leser wird mit dieser Zurückhaltung etwas anfangen können. Viele – wie auch ich – werden spüren, dass „Nur noch ein einziges Mal“ stärker, wilder, eindringlicher war. Und ja, man merkt, dass dieser zweite Teil eher aus dem Wunsch der Leserschaft heraus entstanden ist als aus einem inneren Drang der Autorin. Aber das macht ihn nicht weniger bedeutsam. Im Gegenteil. Er schließt einen Kreis. Sanft. Behutsam. Und manchmal braucht es genau diese Art von Abschluss, um selbst weitergehen zu können.
Am Ende bleibt eine Szene, ein Vers, eine kindliche, verspielte Zärtlichkeit – und doch so viel mehr:
„Ich will mit dir teilen Bett und Tisch.
Bitte sei für immer mein Fisch.
Schwimmen, schwimmen, einfach schwimmen.“
Ein Satz wie ein Versprechen. Keine große Geste, kein Pathos – aber Liebe. Reife Liebe. Liebe, die nicht verletzt, sondern hält. Und die endlich eine Heimat gefunden hat.
Fazit:
„Nur noch einmal und für immer“ ist kein lautes Buch. Es ist ein heilendes. Es bietet keine einfachen Lösungen, aber ehrliche Gedanken. Für alle, die wissen wollen, wie man auf den Trümmern des Gestern ein Morgen baut.
Hier findest du das Buch:
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