
Titel: Frevlersbrut (Die Erste Tochter)
Autorin: Katharina Maier
Verlag: epubli (2020)
Genre: Epische Fantasy mit Science-Fiction-Elementen
Seitenzahl: 420
ISBN-13: 978-3752961850
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐
REZENSIONSEXEMPLAR VON Katharina Maier, Taschenbuch
Es gibt Bücher, die begleiten einen nicht einfach, sie fordern einen heraus. Der zweite Band von Die erste Tochter ist für mich genau so ein Buch. Er verlangt Geduld, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf eine Sprache einzulassen, die gehoben, bildgewaltig und manchmal sperrig wirkt – und er belohnt dafür mit einer Intensität, die man so schnell nicht vergisst.
Schon der Einstieg knüpft nahtlos an den ersten Band an und macht klar: Hier gibt es keine Atempause. Man wird sofort hineingeworfen in die Grausamkeit, in die Intrigen und in die familiären Brüche. Besonders Myn steht im Zentrum – ein Mädchen, das längst erwachsen geworden ist, und doch in einer Welt gefangen bleibt, die ihr keinen eigenen Weg zugesteht. Ihre Zwangsheirat, ihr stilles Aushalten, ihre innere Leere – all das wird mit einer Wucht erzählt, die erschüttert. Gleichzeitig spürt man, dass sie mehr ist als nur Opfer, dass in ihr eine Kraft schlummert, die vielleicht erst in den kommenden Bänden sichtbar werden wird.
An ihrer Seite steht Vairrynn, dessen inneres Ringen für mich zu den stärksten Momenten des Romans gehört. Seine Liebe zu Myn ist tragisch und unausweichlich zugleich – sie darf nicht sein, und doch trägt sie beide. Gerade diese verbotene Nähe macht ihre Beziehung so intensiv. Manchmal möchte man als Leserin fast die Seiten anflehen, dass die beiden ein Stück Freiheit bekommen, auch wenn man weiß, dass die Welt um sie herum es nicht zulässt.
Auch Mudmal überrascht. Der Junge, der einst zurückzuckte, wenn der Vater sprach, ist zu einem ruhigen Pol geworden. Vielleicht noch nicht ganz klar in seiner Entwicklung, aber ein Gegenbild zum zerbrochenen Vater, der in diesem Band immer mehr zu einem Wrack verkommt – ein Spiegel dafür, wie Macht und Verbitterung einen Menschen zerstören können.
Was mich besonders fasziniert hat, ist die Einführung der Drachenfrauen. Sie sind mehr als nur ein neues Handlungselement. Sie wirken wie ein Symbol, als würden in ihnen zwei Welten zusammenfallen: das Wilde, Ungezähmte und das Bedrohliche einerseits, aber auch eine Art Hoffnung auf eine andere, größere Ordnung. Noch ist vieles unklar, doch allein ihre Anwesenheit öffnet Türen, die diese Geschichte über das Persönliche hinaus in etwas Mythisches verwandeln.
Die Sprache bleibt dabei durchgehend herausfordernd. Es gibt Wörter, die selbst mir neu waren – und ich lese viel. Doch ich sehe das nicht als Hürde, sondern als Einladung. Jedes Kapitel ist wie ein dichter, dunkler Wald, durch den man sich hindurchkämpft – und in dem man immer wieder auf Stellen stößt, die so hell leuchten, dass man innehält.
Und dann ist da wieder dieses Ende. Wie schon Band 1, endet auch Band 2 mit einem Cliffhanger, der mich fassungslos zurückgelassen hat. Nicht frustriert, sondern voller Staunen und mit dieser typischen Mischung aus Ungeduld und Vorfreude, die nur gute Bücher auslösen können.
Die erste Tochter, Frevlersbrut – Band 2 ist kein leichter Roman. Er ist nichts für zwischendurch. Er fordert Konzentration, manchmal auch Nerven. Aber genau das macht ihn so besonders. Wer bereit ist, sich auf diese sprachlich anspruchsvolle, vielschichtige Geschichte einzulassen, wird reich belohnt – mit einer Tiefe, die unter die Haut geht.
Für mich ist dieser Band gewaltig, schmerzhaft, intensiv – und absolut lesenswert.
Hier findest du das Buch:
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