Rezension: Die Tiere der Nacht

Titel: Die Tiere der Nacht
Autorin: Sarah Ann Juckes
Illustrationen: Sharon King-Chai
Verlag: Atrium Verlag (2023)
Genre: Jugendbuch / Coming-of-Age, Realistische Kinder- und Jugendliteratur, Magischer Realismus / Symbolische Erzählung
Seitenzahl: 270
ISBN: 978-3-03820-042-2
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
Gelesen über: Onleihe (Bibliothek)

Warum ich das Buch gelesen habe

Ganz ehrlich? Das Cover hat mich sofort angesprochen. Es ist wunderschön gestaltet – ruhig, geheimnisvoll, anziehend. Ich habe es über die Onleihe entdeckt und direkt ausgeliehen, ohne viel über den Inhalt zu wissen. Und ich bin froh darüber, denn es war eine besondere Leseerfahrung.

Genre

Auch wenn das Buch offiziell als Kinderbuch ab 9 Jahren eingeordnet ist, würde ich es eher als emotionalen Jugendroman mit psychologischer Tiefe sehen. Die Themen und die Art, wie sie erzählt werden, richten sich meiner Meinung nach eher an ältere Kinder oder junge Jugendliche.

Wie mir der Einstieg gefallen hat

Der Einstieg fiel mir überraschend leicht. Der Lesefluss war sofort da, ohne Stolpersteine. Die Sprache ist angenehm und klar, ohne schwierige Begriffe oder Erklärzwänge. Man gleitet quasi durch die Geschichte – was besonders für ein Buch mit so ernsten Themen bemerkenswert ist.

Was mich berührt hat

Ganz klar: Die letzten drei Kapitel haben mich emotional wirklich erreicht.

Besonders schön fand ich die Idee mit den Geistertieren. Jedes Tier steht symbolisch für ein Gefühl oder eine Entwicklung in Nora – und das war wirklich großartig gemacht.
Mein persönliches Highlight? Der Otter. So freundlich, verspielt, positiv – allein das Bild im Kopf hat mich richtig erwärmt. Und dass zum Schluss die Füchsin nicht mehr nur ein Geist ist, sondern real wird, war einfach ein wunderschönes Symbol für das, was sich in Nora verändert hat.

Auch die sanfte Annäherung zwischen Nora und ihrer Großmutter Nell war sehr berührend. Der Moment, in dem Nora ihr Tagebuch öffnet und ihre innersten Gedanken teilt – Gänsehaut.

Was mir weniger gefallen hat

So sehr mir das Buch gefallen hat – ein Punkt hat mich nachhaltig gestört:
Nora ist neun Jahre alt (später plötzlich zehn, ohne dass ein Geburtstag erwähnt wird), aber sie denkt, spricht und handelt wie eine 14- oder 15-Jährige. Das ist aus entwicklungspsychologischer Sicht einfach unrealistisch. Kinder in dem Alter haben noch nicht diese Reife – das kann man auch mit schwierigen Lebensumständen nicht vollständig erklären.

Dazu kommen kleinere Ungereimtheiten:
– Kinder alleine mit dem Zug unterwegs, kein Thema – aber mit einem Motorboot bei Sturm aufs offene Meer? Eher nicht.
– Die Themenfülle (Mobbing, PTBS, Demenz, Scheidung, Einsamkeit …) ist für die angegebene Zielgruppe sehr hoch – jedes dieser Themen hätte für sich ein ganzes Buch verdient.

Fazit

Ein starkes, berührendes Jugendbuch mit großem Herzen, toller Symbolik und wichtigen Themen – aber auch mit Schwächen in der Realitätsnähe und Altersdarstellung.
Wer sich darauf einlässt und bereit ist, über gewisse Unstimmigkeiten hinwegzusehen, bekommt eine leise, tiefgründige Geschichte über Einsamkeit, Verbundenheit und die Kraft, sich Hilfe zu holen.

Hier findest du das Buch:

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