Rezension: Der Scherbensammler

Titel: Der Scherbensammler
Autorin: Monika Feth
Verlag: cbt (2009)
Genre: Jugendthriller mit starkem Einschlag von Psychothriller
Seitenzahl: 384
ISBN-13: 978-3641023249
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
Gelesen über: Onleihe (Bibliothek)

Es ist bereits der dritte Band dieser achtteiligen Reihe – und dennoch fühlt sich jedes Wiedersehen mit Jette, Merle und Tilo an, als würde man vertrauten Schatten begegnen, die jedes Mal ein Stück dunkler geworden sind.

Dieses Buch ist kein gewöhnlicher Thriller. Es ist ein Seziermesser für das Menschliche – für das, was wir verdrängen, weil es uns zu nahe kommt.
Die Autorin legt psychologische Schichten frei, die man nicht einfach liest, sondern spürt. Dabei bleibt sie nie auf der Oberfläche, sondern bewegt sich zwischen Schuld, Schutz, Sehnsucht und der Frage, was Vertrauen überhaupt noch bedeutet, wenn man sich selbst nicht mehr trauen kann.

Merle und Jette sind zwei Frauen, die man längst kennt, und doch entdeckt man sie hier neu. Merle, die mit Mut reagiert, wo andere erstarren würden. Jette, die überlegt, beobachtet und manchmal zu spät erkennt, dass Vernunft keine Rüstung ist. Beide wirken wie Gegenpole – und genau darin liegt ihre Stärke.

Mina dagegen steht für alles, was uns Angst macht, weil es so unbegreiflich ist. Ihre gespaltene Psyche wird nicht als Sensation inszeniert, sondern als Spiegel menschlicher Zerbrechlichkeit. Ihre Krankheit ist keine Bedrohung, sondern ein Überlebensmechanismus.
Sie zwingt dazu, Mitgefühl anders zu denken – jenseits von Mitleid, jenseits von Urteil.

Und dann ist da Ben. Kein klassischer Täter, kein reines Monster. Er ist das Dazwischen – eine Figur, die zeigt, wie gefährlich Normalität wirken kann, wenn sie zur Tarnung wird. Seine Stärke liegt im Alltäglichen, im Unauffälligen. Und genau das macht ihn so real.

Was mich an diesem Band besonders beeindruckt hat, ist die Ruhe, mit der Spannung entsteht. Kein Lärm, kein überhastetes Tempo. Alles entwickelt sich schleichend, fast sanft – bis man plötzlich merkt, dass es keinen Ausweg mehr gibt.
Die Autorin beweist, dass wahre Spannung nicht im Blutrausch liegt, sondern in der Stille davor.

Es ist ein Buch, das sich Zeit nimmt. Zeit, um zu zeigen, dass „anders sein“ nicht gleich „gefährlich sein“ bedeutet.
Ein Buch, das Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht als Fremdkörper behandelt, sondern als Teil einer Welt, die ohnehin voller Brüche ist.

Ich wusste früh, wer der Täter war. Aber das war nebensächlich.
Denn hier geht es nicht um das Wer, sondern um das Warum.
Darum, wie Schmerz sich verwandelt – in Angst, in Kontrolle, in etwas, das man vielleicht Liebe nennen möchte, wenn es nicht so zerstörerisch wäre.

Vielleicht ist das die größte Stärke dieser Reihe:
Sie zeigt, dass man Dunkelheit nicht verstehen muss, um sie ernst zu nehmen.

Hier findest du das Buch:

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