Rezension: Der Schattengänger

Titel: Der Schattengänger
Autorin: Monika Feth
Verlag: cbt (2012)
Genre: Jugendthriller mit starkem Einschlag von Psychothriller
Seitenzahl: 576
ISBN-13: 978-3570308158
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
Gelesen über: Onleihe (Bibliothek)

Jette-Thriller – Band 4

Es gibt Geschichten, die sich nicht über Tempo definieren, sondern über das, was zwischen den Zeilen pulsiert. Schattengänger ist genau so ein Thriller. Ein Buch, das nicht mit lautem Getöse beginnt, sondern mit einer Stille, die nach und nach Risse bekommt. Und diese Risse erzählen mehr über die Figuren, als Worte es je könnten.

Imke bewegt sich in diesem Band auf einer feinen Linie zwischen Erschöpfung und Selbstbehauptung. Sie ist verletzlich, aber nicht gebrochen; ängstlich, aber nicht tatenlos. Man spürt, wie sehr sie sich nach einem Ort sehnt, an dem ihr Kopf endlich zur Ruhe kommt. Gleichzeitig wird jede ihrer Gesten von der unsichtbaren Präsenz des Stalkers begleitet – wie ein Schatten, der ihr nachläuft, ohne jemals ganz fassbar zu werden. Genau diese unterschwellige Bedrohung macht das Lesen so intensiv: Nichts ist ausdrücklich, aber alles ist spürbar.

Der Täter ist kein Stereotyp, kein „reiner Bösewicht“. Seine Obsession, seine verzerrte Wahrnehmung, seine Wut – all das wirkt bedrückend menschlich. Einer, der schon längst die Kontrolle verloren hat und doch glaubt, genau zu wissen, was er tut. Gerade diese Mischung lässt die Spannung nicht durch Schockmomente, sondern durch psychologische Nähe entstehen.

Parallel dazu entstehen feine Verschiebungen zwischen den Figuren, die die Reihe schon so lange begleiten. Zwischen Imke und Bert liegt etwas Unausgesprochenes, das in diesem Band deutlicher hervortritt als zuvor – nicht romantisch verherrlicht, sondern in kleinen Momenten, die ehrlich wirken. Jette wiederum bewegt sich zwischen Vertrauen und Vorsicht, besonders im Umgang mit Luke, dessen Rolle nie eindeutig sicher erscheint. Diese Unsicherheit ist kein Fehler, sondern Teil der erzählerischen Atmosphäre: In diesem Buch ist niemand wirklich „klar“.

Der Mord an Imkes Putzkraft trifft unerwartet hart. Gerade weil sie keine zentrale Figur war, wirkt ihr Tod wie ein Schlag, der den Leser in die Realität dieses Stalkers zurückwirft. Ein Mensch, der schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort war – und dessen Ende den endgültigen Kontrollverlust des Täters markiert.

Das Buch lebt von dieser Art Spannung: nicht laut, sondern brennend leise. Ein Gefühl, das sich wie ein dünner Film über jede Szene legt. Man spürt, dass sich etwas zusammenzieht, lange bevor es passiert. Und genau das macht diesen Band so wirkungsvoll.

Der einzige Punkt, der für mich offen bleibt, ist der Einbruch aus Band 2, der weiterhin nicht aufgeklärt wird. In einer Geschichte über Stalking und psychologische Besessenheit wäre ein Rückbezug beinahe logisch gewesen. Aber das schmälert nicht die Stärke dieses Bandes, sondern hinterlässt eher eine kleine Frage, die ich gern beantwortet gesehen hätte.

Schattengänger ist kein Thriller, der schockiert, sondern einer, der sich in die Gedanken eingräbt. Er zeigt, wie nah Angst und Realität beieinander liegen können, und wie Menschen sich verändern, wenn sie im Schatten eines anderen leben müssen.

Für mich bleibt dieser Band kraftvoll, atmosphärisch und menschlich ehrlich. Ein leiser, aber nachhaltiger Teil der Reihe.

Hier findest du das Buch:

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