Rezension: Der Mädchenmaler

Titel: Der Mädchenmaler
Autorin: Monika Freth
Verlag: cbt (2005)
Genre: Jugendthriller mit starkem psychologischem Fokus
Seitenzahl: 384
ISBN-13: 978-3570301937
Bewertung: ⭐⭐⭐☆☆
Gelesen über: Onleihe (Bibliothek)

Mit Der Mädchenmaler setzt Monika Feth ihre Erdbeerpflücker-Reihe fort. Während der erste Band Der Erdbeerpflücker bereits durch Spannung, Brutalität und einen klassischen Thrill bestach, schlägt dieser zweite Teil eine etwas andere Richtung ein: die psychologische Tiefe einer Obsession. Auffällig ist, dass die bekannten Figuren – Bert, Merle, Tilo, aber auch Imke – in diesem Band kaum eine nennenswerte Entwicklung durchmachen. Sie sind uns vertraut, und sie handeln weitgehend so, wie wir es bereits kennen. Was im ersten Teil noch frisch und dynamisch wirkte, bleibt hier eher statisch. Eine Ausnahme bildet Ilka, die den Kern der Geschichte trägt. Sie entwickelt sich von einem ausgelieferten Opfer zu einer jungen Frau, die ihren Widerstand entdeckt. Gerade ihre Stärke im Angesicht von Angst, Missbrauch und drohender Gewalt macht sie zur beeindruckendsten Figur. Auch Jette zeigt, dass sie gelernt hat, sich dem Täter zu stellen. Während sie in Band 1 vor allem flüchtete, findet sie nun den Mut, Ruben direkt entgegenzutreten. Ein Fortschritt, der für zukünftige Bände noch Bedeutung haben könnte – nicht zuletzt, weil der Kommissar andeutet, dass Jette womöglich juristische Konsequenzen erwarten.

Im Zentrum des Romans steht jedoch unbestreitbar Ruben. Er ist kein einfacher Bösewicht, sondern ein Psychopath mit einem erschütternden Innenleben. Zwar erfahren wir durch Rückblenden von der Gewalt des Vaters und dem Missbrauch an seiner Schwester, doch bleibt der Ursprung seines Wahns letztlich im Dunkeln. Genau dieses Unerklärbare verleiht ihm eine bedrohliche Aura. Ruben ist planvoll, kontrolliert, zugleich zerrissen zwischen krankhafter Obsession und zerstörerischer Wut. Er verkörpert das Grauen, das nicht in blutigen Taten, sondern in der psychischen Zerstörung seiner Opfer liegt.

Besonders eindrücklich ist, wie Monika Feth das Thema Inzest und familiäre Gewalt aufgreift. Die Rückblenden sind beklemmend und erinnern an Romane wie Der Kuss meiner Schwester. Damit wird deutlich: der Thriller ist nicht nur eine spannende Kriminalgeschichte, sondern auch ein Spiegel menschlicher Abgründe. Gleichzeitig ist die enge Verbindung von Kunst und Wahnsinn in Rubens Figur ein zentrales Motiv – das Malen der Mädchen, die Fixierung auf Schönheit und der endgültige Zerfall, als er seine eigenen Werke zerstört.

Die Spannung bleibt über weite Strecken hoch. Immer wieder wechselt die Erzählung zwischen den Jugendlichen, dem Kommissar und Ruben. Dieser Perspektivwechsel erzeugt Nähe und Beklemmung, wirkt aber stellenweise auch etwas repetitiv. Der Schluss dagegen kommt überraschend schnell. Nach all den aufgebauten Bedrohungen hätte ich mir ein längeres, intensiveres Finale gewünscht. Zwar endet das Buch mit einem Cliffhanger – die Bemerkung, dass Jette vielleicht einen Anwalt brauchen würde –, doch fühlt sich der Übergang zum Ende abrupt an.

Unterm Strich ist Der Mädchenmaler ein Thriller, der weniger auf Brutalität und blutige Details setzt, sondern vielmehr auf das psychologische Grauen hinter familiären Beziehungen. Durch Ilkas Entwicklung, Rubens Abgründe und Jettes kleine Fortschritte bleibt das Buch fesselnd. Dennoch wirkt es im Vergleich zu Der Erdbeerpflücker weniger tief, weniger konsequent und zu hastig beendet. Es ist durchgängig spannend und mutig in der Themenwahl, erreicht aber nicht ganz die Intensität seines Vorgängers.

Hier findest du das Buch:

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