Rezension: Bride – Die unergründliche Übernatürlichkeit der Liebe

Titel: Bride – Die unergründliche Übernatürlichkeit der Liebe
Autorin: Ali Hazelwood
Verlag: Rütten & Loening Berlin (2024)
Genre: Romantasy, Urban Fantasy
Seitenzahl: 512
Lesedauer: 8 Stunden 37 Minuten
ISBN-13: 978-3352009976
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
Gelesen über: Tolino (selber gekauft)

Ali Hazelwoods Bride wirkt zunächst wie eine Variation bekannter Muster: Vampire und Werwölfe, eine arrangierte Ehe, alte Feindbilder, die in einer Zeremonie zusammengehalten werden sollen. Doch die Stärke des Romans liegt nicht darin, das Erwartbare einfach zu bedienen, sondern darin, wie er die Bruchstellen dieser vertrauten Kulisse sichtbar macht. Das Politische und das Intime sind unauflöslich ineinander verflochten. Jede Geste, jedes Wort zwischen Misery und Lowe ist nicht nur Ausdruck persönlicher Annäherung, sondern zugleich ein Kommentar zur Zerbrechlichkeit von Bündnissen und zur Fragilität von Vertrauen.

Misery trägt diese Geschichte. Sie ist scharfzüngig, verletzlich und widersprüchlich – eine Figur, die gerade durch ihre Brüche überzeugend wirkt. Ihr Sarkasmus ist mehr als ein rhetorisches Spiel: Er ist eine Überlebensstrategie, die Distanz schafft, wo Nähe gefährlich werden könnte, und die zugleich eine Form von Selbstbehauptung darstellt. Unter der Ironie liegt die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, doch auch die Weigerung, sich vereinnahmen zu lassen. Hazelwood verleiht ihr damit eine Authentizität, die im Genre selten ist.

Lowe hingegen verkörpert die Ambivalenz des Anderen. Er ist Alpha, dominant, gefährlich – und gleichzeitig klug genug, um diese Zuschreibungen zu reflektieren. In der Spannung zwischen ihm und Misery entfaltet sich kein einfacher Romantikbogen, sondern ein Ringen um Augenhöhe. Ihre Nähe ist nie selbstverständlich, sondern stets verhandelt, unterlegt mit Macht, Misstrauen und dem Risiko, sich verletzlich zu zeigen. Gerade das macht ihre Beziehung glaubwürdig: Sie ist nicht Flucht vor der Welt, sondern in ihr verankert.

Der Weltentwurf selbst bleibt von politischen Rissen durchzogen. Der jahrhundertelange Konflikt zwischen Vampiren und Werwölfen wird nicht als Hintergrundrauschen inszeniert, sondern als fortdauernde Hypothek, die jede Entscheidung beschwert. Feindbilder haben sich verselbstständigt, historische Schuld wird zu kollektivem Gedächtnis, das neue Generationen prägt, ohne dass die Ursprünge noch greifbar wären. In dieser Atmosphäre erscheint die arrangierte Ehe nicht wie ein romantischer Topos, sondern wie ein Versuch, Geschichte zu überlisten – und genau darin liegt ihre Tragik.

Hazelwoods Sprache trägt diese Komplexität mit erstaunlicher Leichtigkeit. Der Roman liest sich flüssig, fast mühelos, und doch steckt in den Dialogen eine Präzision, die weit über Unterhaltung hinausweist. Miserys Ironie bewahrt die Geschichte davor, in Pathos abzugleiten, und wird so zum Kontrapunkt zur politischen Schwere. Der Spannungsbogen bleibt konstant, kein atemloses Auf und Ab, sondern ein gleichmäßiges Pulsieren, das den Leser unmerklich bindet.

Natürlich gibt es Schwächen. Manche Nebenfiguren hätten mehr Tiefe vertragen, und einzelne Wendungen sind vorhersehbar. Doch diese Einwände verblassen gegenüber der Konsequenz, mit der Hazelwood ihre Themen verfolgt. Bride lebt nicht von Effekten, sondern von der Klarheit, mit der es Fragen nach Identität, Loyalität und der Möglichkeit von Vertrauen stellt.

Am Ende bleibt ein Roman, der die Grenzen seines Genres ernst nimmt und zugleich erweitert. Bride ist Romantasy, ja – aber es ist auch ein Text über Machtgefüge, über die Dialektik von Nähe und Distanz, über das Wagnis, Vertrauen zu schenken, wenn alles dagegenspricht. Es ist eine Geschichte, die nicht durch Lautstärke überzeugt, sondern durch Genauigkeit.

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