
Titel: Adelsspross (Die Erste Tochter)
Autorin: Katharina Maier
Verlag: epubli (2019)
Genre: Epische Fantasy mit Science-Fiction-Elementen
Seitenzahl: 336
Lesedauer: 6 Stunden 51 Minuten
ISBN-13: 978-3750202092
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆
REZENSIONSEXEMPLAR VON Katharina Maier, Taschenbuch
Zwischen Macht und Menschlichkeit – Eine Reise durch die Schachbretter einer fiktiven Welt
Adelsspross – Die erste Tochter ist kein Roman, den man „mal eben“ liest. Er verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich in eine Welt voller verschlungener Machtspiele, kultureller Eigenheiten und subtiler Zwischentöne fallen zu lassen. Die Autorin entwirft ein dichtes Geflecht aus politischen Intrigen, gesellschaftlichen Rängen und familiären Loyalitäten – und stellt zugleich die Frage, welche Rolle Herkunft, Wahl und Selbstbestimmung im Gefüge einer streng hierarchischen Ordnung spielen.
Die Geschichte folgt vor allem Myn und ihrem älteren Bruder Vai, zwei Figuren, die auf den ersten Blick kaum gegensätzlicher sein könnten und doch durch ein unsichtbares Band verbunden sind. Ihre Entwicklungen verlaufen parallel und spiegeln unterschiedliche Aspekte derselben Suche wider: Myn, die vom behüteten Kind zur Beobachterin einer harten, oft ungerechten Realität wird; Vai, der sich seiner Herkunft und einer verborgenen Gabe stellt, deren Tragweite noch nicht greifbar ist. Beide bewegen sich auf einem Schachbrett, auf dem jede Figur – von der ersten Dienerin bis zum Hohenpriester – ihre eigene Strategie verfolgt.
Besonders eindrucksvoll ist die gesellschaftliche Dimension des Romans. Frauenrechte, Selbstbestimmung und die Macht über das eigene Leben sind keine abstrakten Ideen, sondern konfliktreiche, oft gefährliche Bestrebungen, die auf Widerstand stoßen. Die Frauenbewegung innerhalb der Geschichte ist nicht nur ein politischer Faktor, sondern auch ein moralischer Prüfstein: Wer sich ihr anschließt, riskiert nicht nur gesellschaftliche Stellung, sondern in manchen Fällen das Leben.
Sprachlich ist Adelsspross fordernd. Die Autorin verwendet eine komplexe, teils poetische, teils verschachtelte Satzstruktur, die von der Leserin verlangt, aktiv mitzugehen, Begriffe im Kontext zu entschlüsseln und Zusammenhänge selbst herzustellen. Das ist kein Mangel, sondern eine bewusste Entscheidung, die das Eintauchen in diese fremdartige Kultur intensiviert.
Der Roman endet auf einem kraftvollen Wendepunkt: Die öffentliche Beschuldigung von Lys, Myns Mutter, die heiligen Bäume zerstört zu haben, wirkt wie ein gezielter Schlag ins Herz der Familie Neoly – und wie ein Versprechen, dass die wahren Konflikte erst beginnen. Dieser Cliffhanger öffnet nicht nur die Tür zu den Folgebänden, sondern zwingt dazu, über die Mechanismen von Macht und Manipulation nachzudenken.
Fazit:
Adelsspross – Die erste Tochter ist der Auftakt zu einer siebenteiligen Reihe, von der bislang drei Bände erschienen sind. Es ist ein Buch, das nicht durch Action im klassischen Sinne besticht, sondern durch das präzise Austarieren von Spannung, politischem Kalkül und persönlicher Entwicklung. Wer bereit ist, sich auf diese anspruchsvolle Mischung aus epischer Fantasy und Social Science Fiction einzulassen, wird mit einer vielschichtigen Geschichte belohnt.
Hier findest du das Buch:
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